Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.09.2018


Osttirol

Die Späne sind gefallen

Feierliche Verleihung der Gesellenbriefe für Osttirols Tischlerlehrlinge in der Tammerburg. Zwei Wochen lang sind die Gesellenstücke in einer Ausstellung zu sehen.

© Agu DanielaMatteo Dallavia hat einen Notenständer entworfen und gebaut (l.). Mit seinem Möbel erreichte Daniel Walder einen guten Erfolg (r.). Fotos: Agu



Von Daniela Agu

Lienz – Wie jedes Jahr wurde auch heuer wieder den Osttiroler Tischlerlehrlingen in einer Freisprechfeier der Gesellenbrief ausgehändigt. Die „Freisprechung“ ist eine alte Bezeichnung aus mittelalterlicher Tradition, die bedeutete, dass der Geselle feierlich in die Zunft der Handwerker aufgenommen wurde. Die Tischler verwenden diese Bezeichnung bis heute.

Glanzvoll ging es bei der Feier am Freitag, dem 7. September, auf der Tammerburg zu. 15 junge Holzfacharbeiter haben jene Werkstücke, die sie zum Abschluss ihrer Ausbildung angefertigt haben, persönlich präsentiert. Sie stellen sie bis zum 21. September aus. Die Ausstellungsstücke überzeugen durch filigranes Design ebenso wie durch ausgezeichnete technische Umsetzung. Die Jungtischler waren mit Freude bei der Sache.

Das Musikquartett Holzschraufen lieferte mit dem Radetzkymarsch den musikalischen Auftakt. Unter den Musikern war auch Matteo Dallavia, der als sein Gesellenstück einen Notenständer ausgefallenen Designs mit einer praktischen Aufbewahrungsschublade entworfen und umgesetzt hat. Der junge Musiker hat seine Ausbildung in der Tischlerei Gollner in St. Johann absolviert und schloss mit gutem Erfolg ab. Ebenso tat dies der „Lehrling des Monats“, Daniel Walder von der Tischlerei Wieser in Strassen: Er präsentierte stolz sein mannshohes Möbelstück.

Unter all den Absolventen befand sich wieder eine Dame. Die Tischlerin Anna Christina Gollner könne kaum glauben, wie schnell die drei Lehrjahre verflogen seien, sagte sie. Gollner war Sprecherin der Berufsschulklasse in Lienz. Sie schnitt mit ausgezeichnetem Erfolg ab. In ihrer kurzen Ansprache gab sie Einblicke in eine schöne Schulzeit, für die sie sich bei allen Beteiligten bedankte.

Als Ehrengäste waren unter anderem Reinhard Lobenwein, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer, und Wilfried Kollreider, Leiter der Arbeiterkammer, zugegen. Landesinnungsmeister Klaus Buchacher versicherte den Anwesenden, wie stolz ihn die Leistungen der Jungtischler machten: „Man sieht, was die jungen Menschen im Stande sind zu leisten. Fleiß und Einsatz haben anspruchsvolle Gesellenstücke hervorgebracht.“

Die Absolventen seien das Aushängeschild Tiroler Handwerkskunst. Ein eingefleischter Liebhaber der Zunft, Tischlermeister in Ruhe Gabriel Forcher, verlieh der Veranstaltung besonderen Charme. Auch mit 90 Jahren ist sein Interesse an den Arbeiten der neuen Generation ungebrochen. Er freue sich zu sehen, dass die frischgebackenen Gesellen die Leidenschaft mit ihm teilen. Gerne gebe er Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz.