Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.09.2018


Bezirk Schwaz

Frisur-Vorschriften und Uniform in Zillertaler Gymnasium

Am neuen naturwissenschaftlichen Gymnasium in Zell herrschen strenge Regeln für das äußere Erscheinungsbild der Schüler.

© ZillertalerTourismusschulenIm Bundesschulzentrum in Zell sind Piercings und Rastalocken laut Hausordnung verboten.



Von Angela Dähling

Zell a. Z. – Sie tragen keine Jeans mit T-Shirt. Turnschuhe sind auch verboten. Die 21 Schülerinnen und Schüler des neuen Bundesoberstufenrealgymnasiums (BORG) in Zell, die gestern ihren ersten Schultag hatten, marschierten alle in einheitlicher Schul­uniform auf. Denn die ist hier Pflicht. Ein Novum bei einem BORG in Tirol. Der Hintergrund: Das allgemeinbildende Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt ist im Gebäude der Zillertaler Tourismusschulen situiert und wird auch vom selben Direktor geleitet.

Doch nicht nur die Schul­uniform, für die es Regeln gibt, wie sie genau zu tragen ist, ist Pflicht. Auch beim Haarschnitt und der Haarpflege gibt es Vorschriften. Bei Knaben werde ein Kurzhaarschnitt erwartet. „Das Wachsenlassen während des Unterrichtsjahres ist nicht erlaubt“, heißt es da etwa in der Aufnahmeinformation. Bei Mädchen dürfen lange Haare nicht ins Gesicht hängen. Fettige, schuppige oder auffällig gefärbte Haare oder eine „übertriebene Gestaltung der Haare“ sind laut Aufnahmeinformation ebenfalls tabu. Die Vorschriften sind eigentlich für die Tourismusschüler entworfen und vom Schulgemeinschaftsausschuss beschlossen worden – unter anderem, weil Tourismusschüler mit Lebensmitteln arbeiten.

Auszug aus der Aufnahme-Information, die für die Tourismusschulen-Schüler ebenso gilt wie für die Gymnasiasten des BORG.
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Warum sie auch für die Schüler eines Gymnasiums mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt gelten? „Die Gymnasiasten lernen mit den Tourismusschülern unter einem Dach. Es könnten Keime am Gang übertragen werden“, erklärt Direktor Bernhard Wild­auer. Zudem hätten sich alle Gymnasiasten für das tägliche Mittagessen in der Schulkantine angemeldet und da sei Hygiene wichtig. „Aber wir werden das mit den Haarschnitten bei den Gymnasiasten nicht ganz so streng nehmen“, schickt Wildauer hinterher. Beschwerden habe es seitens der Eltern allerdings keine gegeben, auch nicht bezüglich der Schuluniform-Pflicht. Dürfen denn die Gymnasiasten im Gegenzug zu den Tourismusschülern ein Piercing tragen? „Nein, Piercings sind auch für sie verboten“, sagt Wildauer mit Verweis auf das gemeinsame Schulgebäude. Das Piercing-Verbot ist in der Hausordnung verankert. Bei Verstößen drohen Ordnungsstunden.

Nicht nur das Gebäude, auch den Großteil der Lehrer teilen sich die Schüler der unterschiedlichen Schultypen am Bundesschulzentrum in Zell. Darunter den Lateinlehrer, der an der Tourismusschule als Informatiklehrer tätig ist und nun wieder sein Ursprungsfach unterrichten kann. Neben Latein wird im BORG als zweite Fremdsprache nach Englisch auch Italienisch gelehrt. Weil sich rund die Hälfte der Schüler für Latein, die andere für Italienisch entschieden hat. Spanisch und Französisch sind daher jetzt Freigegenstand. „Der Stundenplan ist mit 35 bis 40 Wochenstunden so voll, dass fraglich ist, ob jemand Interesse an weiteren Stunden hat“, meint Wildauer.

Im Kunstunterricht des BORG kommt übrigens ein Patissier zum Einsatz – zusätzlich zur allgemeinen Bildnerischen Erziehung, sagt Wildauer. Statt mit Ton werde dann mit Marzipan und Zucker gewerkt.