Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 25.09.2018


Osttirol

Stammzellenspender: ,,Es könnte ja auch mich treffen“

Johannes Mascher aus Anras wurde als passender Stammzellenspender für einen kranken Mann aus Tschechien gefunden. Wie es sich anfühlt, ein potenzieller Lebensretter zu sein, erzählt er der TT.

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© Mascher



Anras, München — Voriges Jahr ließ sich der 19-jährige Anraser Johannes Mascher als möglicher Stammzellenspender typisieren. Der junge Mann, der von einem Bauernhof stammt, hat drei jüngere Geschwister, hat im Juni an der HTL Lienz maturiert und beginnt im Oktober seinen Zivildienst als Sanitäter beim Roten Kreuz in Lienz. Johannes hilft gerne am elterlichen Hof mit und betreibt Sport.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich als möglicher Stammzellenspender typisieren zu lassen?

Johannes Mascher: Ich bin auf das Thema aufmerksam geworden, weil letztes Jahr eine Typisierungsaktion für einen kleinen Buben in der Lienzer Haspingerkaserne gemacht worden ist. Meine Speichelprobe habe ich aber dann per Internet und Post abgegeben. Danach habe ich längere Zeit nichts mehr gehört.

Spender gesucht

Typisierung: Um herauszufinden, ob und für wen ein Mensch als Stammzellenspender in Frage kommt, wird zuallererst eine Speichel- oder Blutprobe benötigt. Der Verein „Geben für Leben", der sich der Leukämiehilfe widmet, führt immer wieder Typisierungsaktionen durch. Angesprochen sind gesunde Menschen zwischen 17 und 45 Jahren, die mindestens 50 Kilo wiegen. Am 10. Oktober findet eine Typisierungsaktion auf dem Campus der Fachhochschule in Klagenfurt statt. Nächster Termin in Tirol ist am 20. Oktober in Mils bei Imst.

Geldspende: Eine einzige Typisierung kostet rund 50 Euro. Deshalb ist der Verein auch auf Geldspenden angewiesen.

Infos: Detailinformationen zum Verein, den Aktivitäten und zum Spenden finden sich im Internet unter www.gebenfuerleben.at

Wie ging es dann weiter?

Mascher: Im Sommer habe ich von den Leuten von „Geben für Leben" erfahren, dass ich als Spender in Frage komme. Zuerst musste ich in eine Münchner Klinik zur Voruntersuchung, es wurde Blut abgenommen und ein kompletter Gesundheitscheck durchgeführt. Außerdem hat man mir genau erklärt, wie die Stammzellenspende abläuft und dass ich mir zur Vorbereitung neunmal eine Stimulationsspritze geben muss. Das soll die Stammzellen anregen. Schließlich kam der Tag der Spende, die Blutabnahme dauerte vier Stunden.

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Wie hast du dich in der Münchner Klinik gefühlt?

Mascher: Die Spritzen haben auch Nebenwirkungen, zum Beispiel, dass man sich grippig fühlt und alle Knochen wehtun. Das habe ich auch gespürt. Aber insgesamt habe ich die Prozedur ganz gut überstanden und mich bald wieder erholt.

Wie denkst du jetzt darüber? Bist du zufrieden?

Mascher: Ich denke, warum nicht helfen, wenn man helfen kann? Es tut ja nicht weh. Und es ist eine tolle Erfahrung, wenn man ausgewählt wird, um vielleicht ein Leben zu retten. Allerdings weiß man im Vorhinein nicht, ob der Empfänger die Spende gut annimmt. Ich hoffe aber sehr, dass es ihm hilft.

Deine Stammzellenspende soll einem schwerkranken Familienvater aus Tschechien zugutekommen. Weißt du, wer das ist?

Mascher: Nein, die Empfänger bleiben immer anonym. Ich habe keinen Kontakt zu ihm gehabt. Das wäre erst möglich, wenn der Empfänger geheilt ist und beide Seiten ein Kennenlernen möchten.

Würdest du anderen Menschen raten, es dir gleichzutun und sich ebenfalls typisieren zu lassen?

Mascher: Ja, das würde ich schon. Obwohl die Sache eine ziemliche Strapaze ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber ich bereue es nicht. Ich überlege dann, dass Leukämie oder eine ähnliche Krankheit ja auch meine Familie, meine Bekannten oder sogar mich selbst treffen könnte. Dann würde ich mir wünschen, dass sich Spender finden, die für uns das Gleiche tun, was ich getan habe.

Das Gespräch führte Catharina Oblasser