Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.09.2018


Innsbruck-Land

Schützen beweisen treffsicheres Engagement

Seit 1981 fahren Freiwillige der Schützenkompanie Wattens-Wattenberg Mittagessen aus. Nun werden sie mit eigenen Verdienstmedaillen geehrt.

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© Manfred Sillaber



Von Michael Domanig

Wattens – Ohne die Ehrenamtlichen in Rettungsdienst, Feuerwehr und vielen anderen Organisationen würde es in Tirol wohl düster ausschauen. Dass aber auch die Traditionsvereine wertvolle Freiwilligenarbeit leisten, zeigt unter anderem das Beispiel der Rettenberger Schützenkompanie Wattens-Wattenberg: Seit über 37 Jahren übernehmen engagierte Schützen an allen Wochenenden und Feiertagen sowie am Heiligen Abend und zu Silvester die Auslieferung von „Essen auf Rädern“.

Im Frühsommer 1981 machte der damalige Kommandant Major Rudolf Troppmair den Vorschlag, die Marktgemeinde Wattens bei der Auslieferung der Mittagessen für ältere und kranke Mitbürger zu unterstützen. Die Kompanie erklärte sich sofort einverstanden – und so startete am 18. Juli 1981 der erste Dienstplan mit 17 freiwilligen Schützen, die – anfangs noch mit ihren Privatautos – das Mittagessen im Seniorenheim abholten und auslieferten. Später kaufte die Marktgemeinde ein eigenes Fahrzeug. Unter der Woche fährt der Hausmeister des Heims das Essen aus.

Was mit 17 Freiwilligen und rund 15 Essensportionen begann, nahm immer größere Dimensionen an: „Inzwischen fahren wir an ca. 117 Tagen im Jahr durchschnittlich 25 bis 35 Mittagessen aus“, berichtet Schützenhauptmann Major Robert Frötscher. Der „Personalstand“ an Freiwilligen wuchs auf ca. 35 Schützen und eine Marketenderin. An Festtagen, an denen die Kompanie ausrücken muss, springen vier Altschützen ein. Auch die Ehefrauen und Partnerinnen vieler Schützen helfen mit.

Am Sonntag werden lang gediente Freiwillige nun bei einem „Tag des Ehrenamts“ auf außergewöhnliche Weise vor den Vorhang geholt: Sie erhalten eine neu eingeführte, in dieser Form bislang einzigartige Bataillonsverdienstmedaille. „Bisher gab es nur Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft“, erklärt Frötscher. Die nun erstmals vergebene Medaille zeigt – neben den Wappen der fünf Kompanien im Bataillon Rettenberg – den zentralen Satz: „Auf dich kommt es an“. Insgesamt rund 30 solcher Medaillen werden vergeben, darunter zwölf in Gold – an jene Schützen, die schon seit über 30 Jahren für „Essen auf Rädern“ tätig sind. Der Festakt geht am Sonntag um 11.30 Uhr im „Haus am Kirchfeld“ in Szene, zuvor findet in der Marienkirche ein Gottesdienst statt (10 Uhr).

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Jeder Schütze, der sich am Fahrdienst beteiligt, kommt mindestens dreimal pro Jahr an die Reihe, „die meisten aber sechsmal, weil sich in der Regel zwei Schützen in einem Auto zusammentun“, führt Frötscher aus. Jeweils am Abend vorher erinnert der Hauptmann – der selbst seit 37 Jahren mitmacht – die Freiwilligen per Telefon, SMS oder WhatsApp an den Dienst. Wie viele tausend Leistungsstunden so zusammengekommen sind, kann Frötscher nicht genau beziffern, jedenfalls habe man „nie Probleme gehabt“, genug Freiwillige zu finden.

Ein Aspekt stimmt Frötscher nachdenklich: „Viele Leut­e, denen wir Essen bringen, sind sehr allein.“ Daher sei die Auslieferung auch immer mit einem kurzen „Ratscher“ verbunden. Zu Heiligabend liefert der Hauptmann die Essen stets selbst aus – zusammen mit Weihnachtssternen, die eine lokale Gärtnerei spendet. „An diesem Tag ist es besonders schwer, die alten Leute beim Essen alleine zu lassen.“

Er hoffe, dass das Engagement der Schützen „Signalwirkung“ entfaltet: „Vereine, die von der Gesellschaft etwas bekommen, nämlich Subventionen, sollten auch etwas zurückgeben. Sie sollten den sozialen Austausch noch stärker unterstützen und besonders etwas für alte Menschen tun.“