Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Bezirk Imst

Jugendliche lernen von Alpakas in Brennbichl

Die Sozialpädagogische Wohngemeinschaft Oberland „TUPO“ hilft Jugendlichen aus ganz Tirol, ein Leben auf eigenen Beinen zu führen.

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© Parth



Von Thomas Parth

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Karrösten – Seit 1992 werden im TUPO Jugendliche auf ihre Selbstständigkeit vorbereitet. Zu Beginn waren es nur Kinder aus dem Bezirk Imst, heute sind es Kinder aus ganz Tirol und sogar aus anderen Bundesländern, die in Brennbichl auf dem Gemeindegebiet von Karrösten Unterschlupf und Unterstützung finden.

In dem Haus in Brennbichl wohnen sieben Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird zwar angestrebt, ist aber nicht immer möglich. „Ein Ziel kann die Heimkehr in die Familie sein und wenn das unmöglich oder von den Jugendlichen nicht gewünscht ist, begleiten wir sie bis zur Selbstständigkeit“, erklärt Sozialpädagogin Stefanie Preyer-Kuen. Das Betreuerteam organisiert sich selbst basisdemokratisch ohne Gruppenleiter, wobei drei Frauen und drei Männer immer paarweise die Betreuungseinheiten übernehmen. „Ein Jugendlicher hat immer einen Hauptansprechpartner“, gewährt Preyer-Kuen Einblicke in die Organisationskultur. Die Zuweisung erfolgt durch die Kinder- und Jugendhilfe in Zusammenarbeit mit neMo, Kiz, Turntable und anderen Krisen-Einrichtungen. „Der Bedarf besteht. Die Nachfrage ist groß. Es gibt eine Warteliste“, unterstreicht die Obfrau des TUPO-Trägervereins, Claudia Sager. Sie ist seit sieben Jahren im Vorstand und seit drei Jahren Obfrau.

„Seit mittlerweile fünf Jahren gibt es eine Außenwohnung in Imst, die vom Verein angemietet, aber nicht rund um die Uhr betreut ist. Im Notfall ist stets jemand erreichbar. Hier werden Jugendliche auf ein eigenständiges Leben in eigener Wohnung vorbereitet. Momentan wohnt eine Jugendliche in dieser Wohnung“, so Preyer-Kuen. Im Haus in Brennbichl hingegen werden die Burschen und Mädchen 24 Stunden betreut. „Wir sind kein Familienersatz. Das können und wollen wir auch nicht sein. Wir stehen den Jugendlichen lediglich zur Seite“, verdeutlicht Betreuer Gerhard Oberhofer. Dass die Stimmung in der Gruppe eine sehr gute ist, beweisen gemeinsame Aktivitäten auf freiwilliger Basis. „Heuer sind alle eine Woche gemeinsam auf Urlaub gefahren“, weiß Obfrau Sager: „Und der Besuch im Hochseilgarten ist fürs Team-Building eine spannende Bereicherung.“

Bekannt ist das TUPO, das nach dem Tunnelportal des Roppener Tunnels benannt ist bzw. hinter dem die Vision des Lichts am Ende des Tunnels steht, durch seine Alpakas. Diese außergewöhnlichen Mitbewohner haben sich als wahre Bereicherung erwiesen. „Einmal im Jahr werden die Tiere geschoren. Ihre Wolle wird weiterverarbeitet, wobei große Nachfrage herrscht“, verrät Oberhofer gerne, was hinter der Landwirtschaft als Teil des Betreuungskonzepts steckt. Immer wieder gibt es willkommene Unterstützung von außen. Die Landwirtschaftliche Lehranstalt hat Bäume angepflanzt und einen kleinen Obstgarten angelegt. „Die Landwirtschaft wird als pädagogisches Lernfeld genutzt. Vom Füttern bis zum Ausmisten und von der Wolle bis zum gefilzten Schlüsselanhänger kann man von vielen Kreisläufen lernen“, erläutert Oberhofer: „Bei uns gibt es einen Gemüsegarten, einen Teich mit vier Enten, fünf Alpakas, einige Hennen und Snoopy, unseren 15 Jahre alten Kater.“