Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.10.2018


Gesellschaft

Eltern vermissen Weitblick, Schülerunion ist zufrieden

© iStockphotoKinder wollen lernen: In welcher Form sie dabei am besten unterstützt und gefördert werden sollen, darüber scheiden sich die Geister.



Innsbruck – Die Tiroler Elternvertreter sehen in dem Entwurf „ein Nebeneinander von sinnvollen Maßnahmen und pädagogischen Rückschritten“, außer dem Namen sei aber nicht viel Neues dabei, stellt Obmann Christoph Drexler fest. Das Nebeneinander von Ziffernnoten und alternativer Beurteilung komme beiden Seiten entgegen, die verpflichtenden Elterngespräche seien sinnvoll, ebenso der verpflichtende Förderunterricht, allerdings nur, wenn dafür auch entsprechende Ressourcen zur Verfügung stehen. Förderung sei in vielen Fällen die bessere Alternative zum Wiederholen eines Schuljahres.

Die Wiedereinführung der Leistungsgruppen an den Mittelschulen, die man eigentlich überwinden wollte, wird als der „am meisten problematische Teil des Pakets“ und großer Rückschritt gesehen. Grund ist das damit einhergehende Aus für das Teamteaching, „bisher Alleinstellungsmerkmal der NMS“. Erfreulich sei allerdings, dass den Schulen freigestellt werde, sich für eine Einteilung in Leistungsgruppen oder eine Weiterführung des Teamteachings zu entscheiden.

Es sei kein Zufall, dass das Gymnasium in der Au in Innsbruck, an dem die Kooperation unter Lehrern einen großen Stellenwert hat, die höchsten Anmeldezahlen habe. „Das ist kein Allheilmittel, aber zumindest eine Richtung, in die sich Schule hinentwickeln sollte.“ Insgesamt vermisst der Landeselternvertreter im vorgeschlagenen Pädagogik-Paket den Weitblick.

Durchwegs positiv sieht dagegen die VP-nahe Schülerunion die Neuerungen, die als Zurück zu Altbewährtem verstanden werden: Die verpflichtende Rückkehr zu Noten in der Volksschule sei eine „Wiedereinführung sinnvoller Methoden zum messbaren Vergleich von Leistung“. Auch dass es an Mittelschulen zwei Leistungsniveaus geben soll, sieht Landesobmann Johann Katzlinger positiv. So könnte stärker auf individuelle Leistungen eingegangen und damit dem negativen Stempel der NMS entgegengewirkt werden. Was das Sitzenbleiben in der Volksschule betrifft, wolle man den Kindern ja „nichts Böses“. „Das Weitertragen von Defiziten finden wir sinnlos.“ Auf Zustimmung stoßen auch angekündigte „pragmatische, spürbare Änderungen“ zur Verbesserung der Ergebnisse der Mathe-Zentralmatura. (ms)