Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.10.2018


Bezirk Imst

Familienhilfe des Dekanats Silz wurde verabschiedet

Nach über 40 Jahren wurde die Oberländer Institution offiziell geschlossen. Ihre Aufgaben übernehmen nun die Sozialsprengel.

© DornEinsatzleiterin Filomena Perwög und Obmann Josef Tiefenthaler beendeten die Arbeit der Familienhilfe.Foto: Dorn



Von Agnes Dorn

Silz – In 13 Gemeinden standen sie über vierzig Jahre lang Familien zur Seite, die dringend Hilfe benötigten – im Schnitt hat die Familienhilfe des Dekanats Silz jedes Jahr im Schnitt zwischen 30 und 40 Familien unterstützt. „Es waren weit über 1000 Familien, für die wir sofort, fachmännisch unterstützend und helfend wie eine Feuerwehr zur Seite standen“, zieht die jahrzehntelang ehrenamtliche Einsatzleiterin Filomena Perwög Bilanz. Doch im vergangenen Jahr hörten beide zu 75 Prozent beziehungsweise 50 Prozent beschäftigten Familienhelferinnen auf und auch für Perwög selbst war damit der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen von ihrer teilweise kräftezehrenden Tätigkeit.

„Für einen Neuanfang wäre unser altes, einfaches System nicht mehr ausreichend gewesen“, die Eingliederung in den Sozialsprengel daher für die Familienhelferin der sinnvollste Weg, um die Unterstützung für die Familien auch weiterhin zu garantieren. Vor wenigen Tagen wurde Filomena Perwög und mit ihr der Obmann und Gründer der Familienhilfe Alt-Dekan Josef Tiefenthaler mit allen Ehren von den Gemeinden verabschiedet, die nun die Familienhilfe über die fünf Sozialsprengel abwickeln werden.

„Es war mir ein Anliegen, dass man sich für Familien einsetzt“, fasst Tiefenthaler rückblickend die Arbeit der Familienhilfe zusammen. Im Dekanat würden nicht nur die Ötztaler Ache und der Inn fließen, sondern ein ganzer Strom des Helfens und der Nächstenliebe.

Perwög, die selbst bis 1988 als Familienhelferin direkt vor Ort Unterstützung bot, hatte ihren ersten Einsatz gleich im zarten Alter von 19 Jahren: Schon zuvor hatte die gebürtige Osttirolerin – gerade volljährig geworden – Verantwortung als Heimleiterin im Innsbrucker Marienheim übernommen, und kaum im Oberland angekommen, wurde sie zu einer Familie ins Ötztal gerufen, deren sechs Kinder durch den plötzlichen Tod der Mutter dringend Unterstützung brauchten. „Die schönsten Momente sind es, wenn man die Menschen wiedertrifft und sie zeigen auch nach 30 Jahren noch Dankbarkeit“, berichtet Perwög davon, dass sie selbst mit den Kindern dieser ersten Familie heute noch Kontakt hat.

Einfach war es nicht, die viele Not so direkt zu erleben, und gerade in der ersten Zeit hatte Perwög oft schlaflose Nächte wegen der Sorge, ob sie wirklich alles unter einen Hut bringen könne. „Aber es ist sich wirklich immer zeitlich ausgegangen“, lernte sie nach und nach Vertrauen zu fassen, dass sich alles fügen würde.

Was sich aber schlussendlich nicht gefügt hat, war die Unterstützung durch das Land – denn seit 2010 gab es keine Tagsatzförderung durch das Land mehr und die Finanzierung musste mittels Spenden ausgeglichen werden. „Das hat mich sehr belastet. Ich hab’ mich wie eine einsame Kämpferin auf weiter Flur gefühlt“, weiß sie auch von den Schattenseiten der Sozialarbeit zu berichten. „Die Absolventen der SOB Tirol, die jetzt die Ausbildung zum Diplomsozialarbeiter für Familienarbeit und Pflegehilfe machen, sind so für uns ,überqualifiziert‘“, erklärt sie, wie auch der finanzielle Aspekt zum Ende der Familienhilfe des Dekanats Silz führte.




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