Letztes Update am Mi, 10.10.2018 15:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Afrika

Bewaffnete Eskorten für Helfer im Kampf gegen Ebola im Kongo

Bei der Entnahme von Blutproben mutmaßlich Infizierter sollen Helfer künftig auf bewaffnete Eskorten zurückgreifen können.

© APA/AFP/UNICEFSymbolfoto.



Kinshasa – Die Behörden im Ost-Kongo haben eine Reihe strikter Maßnahmen angeordnet, um die gefährliche Seuche Ebola trotz des Widerstandes der lokalen Bevölkerung einzudämmen. Helfer in der Großstadt Beni sollen demnach bei der Entnahme von Blutproben mutmaßlich Infizierter oder bei Bestattungen künftig auch auf bewaffnete Eskorten durch Polizei oder Militär zurückgreifen können.

Um zu vermeiden, dass Familien mögliche Krankheitsfälle verschweigen, dürfen Verstorbene ab sofort auch nicht mehr ohne die Zustimmung der medizinischen Behörden begraben werden. Die Leiche eines Menschen, der an Ebola gestorben ist, ist hoch ansteckend; sie muss daher nach bestimmten Regeln begraben werden. Das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Kinshasa erklärte am Mittwoch, einem Arzt oder einem traditionellen Heiler werde die Praxis geschlossen und die Lizenz entzogen, wenn er Verdachtsfälle nicht an das Ebola-Zentrum überweise.

Misstrauen in der Bevölkerung groß

Die Bevölkerung in der von Rebellen und Milizen terrorisierten Provinz Nord-Kivu misstraut der Regierung. Viele Menschen meinen, die Regierung habe Ebola gezielt eingeschleppt. Diese Theorien gefährden auch Helfer: Hilfsorganisationen zufolge gab es bereits mehrere Vorfälle von Gewalt gegen deren Mitarbeiter, was die Bekämpfung der Seuche erschwert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht daher ein „sehr großes Risiko“, dass sich die Epidemie auch in andere Landesteile oder die Nachbarländer ausbreiten könnte.

Die Behörden haben bisher 188 Ebola-Verdachtsfälle dokumentiert, 153 davon wurden im Labor bestätigt. 118 Menschen erlagen dem hämorrhagischen Fieber. Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Bei einer Epidemie 2014/2015 starben in Liberia, Guinea und Sierra Leone mehr als 11.000 Menschen. (APA/dpa)




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