Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.10.2018


Tirol

Wenn Tester Kurioses finden: „In Tirol mochten uns die Hoteliers nicht“

Die Tester des „Relax Guide“ fanden in Tirol ein Geheimbordell, einen Fitness-Raum im Atombunker und günstige Ganzkörper-Peelings.

© E+Die Tester des „Relax Guide“ stießen in 20 Jahren Recherche auf allerlei Skurriles.



Wien – Seit zwei Jahrzehnten nimmt Christian Werner mit seinem Wellnesshotel-Führer „Relax Guide“ die Branche jedes Jahr unter die Lupe. Gerade in Tirol habe er immer wieder Skurriles erlebt. „Eine Hotelière vom Arlberg hat ins Telefon hineingebrüllt, warum wir schreiben, dass da so viele Motorradfahrer sind.“ Die seien auch tatsächlich dort gewesen – allerdings wegen der Kurven, nicht wegen des Hotels.

Beliebt seien die Tester des Relax Guide in Tirol nie gewesen, wurden doch Hotels durchaus auch als „Kitschbuden“ bezeichnet. Zu wenig „feinsinnig gestaltetes Ambiente“, sagt Werner: „Da entstanden so etwas wie einseitige Feindschaften, die bis heute anhalten.“ Der Markt für die Tester sei jedenfalls da. „Es gab Zeiten, da eröffneten jede Woche zwei neue Spa-Hotels“, erinnert sich Werner. Nicht wenige Hoteliers hätten in den Nullerjahren aber nur vage Vorstellungen vom Thema gehabt, was nicht selten zu seltsamen Angeboten führte. „Wir fanden von Bundesstraße und Gewerbepark umzingelte Häuser, die ihre Lage im Prospekt als ‚idyllisch‘ bezeichnet haben. Oder zwei mit direktem Friedhofsblick aus dem Zimmer. Und sogar drei, bei denen eine Straße mitten durch das Hotel ging. Gleich fünf Hotels fielen durch Überwachungskameras im Nacktbereich auf, drei weitere durch ihr Treibstoffangebot – die hatten tatsächlich eine Tankstelle im Haus!“, sagt Werner. Mit „großer Erwartung“ checkten die Tester einmal in einem Gasteiner Hotel ein, das den Namenszusatz „Wasserhotel“ trug. Die Enttäuschung war dem Herausgeber zufolge groß, „es gab keinen Außenpool, kein Schwimmbecken und nicht einmal Badewannen – nur ein paar Bücher zum Thema Wasser“. Nicht minder verstörend sei vor Jahren der Fitnessraum des Sporthotels im Kühtai gewesen: Er war mit grünem Filz ausgekleidet und befand sich im ehemaligen Atombunker.“

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Der "Relax Guide“.
- Relax Guide

Auch bei den Behandlungen waren die Tester mitunter irritiert: Ein „Erotik-Treatment“ entpuppte sich als normales Wannenbad, „aber das um 60 Euro“. Das „Ganzkörper-Peeling“ in einem Tiroler Hotel war hingegen billiger. „Allerdings musste man es selbst machen – nackt in der Dusche stehend“, erzählt Werner.

Gerne erinnert Werner sich in Tirol auch an das Geheimbordell im Untergeschoß des Designhotels „Madlein“. Szene-Hotelier Günther Aloys musste sich deshalb 2008 sogar vor Gericht verantworten, wurde jedoch freigesprochen. Im Relax Guide sei das Geheimbordell schon zwei Jahre vor Prozessstart öffentlich gemacht worden, sagt Werner. Werner und sein Team bekamen oft Hausverbote, diese wurden dann sofort im Büro aufgehängt. Übrigens: Der Fitness-Raum im Sporthotel ist längst nicht mehr im Atombunker, sondern im vierten Stock. (ver)