Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Exklusiv

Obertilliach wird durch illegale Nummerntafel bekannt

Indirekte Werbung für eine Obertilliacher Autowerkstatt: Berichte über eine Kennzeichenabnahme rücken auch die Halterung ins Bild.

Andrea Vetter mit neuer Nummerntafel: Die Halterung stammt von einer Obertilliacher Werkstatt.

© Peter UnterwegerAndrea Vetter mit neuer Nummerntafel: Die Halterung stammt von einer Obertilliacher Werkstatt.



Von Peter Unterweger

Obertilliach, Wien – Üblicherweise befindet sich auf einer Nummerntafelhalterung ein Hinweis auf eine Autofirma. Klein gedruckt, normalerweise kaum beachtet. Aber durch die Abnahme eines Wunschkennzeichens in Wien errang eine Osttiroler Autowerkstätte große mediale Aufmerksamkeit.

Zur Vorgeschichte: Die Methode von Neonazis, ihre Gesinnung mit NS-Codes auf ihren Wunschkennzeichen zur Schau zu stellen, machte es nötig, gewisse Zahlenkombinationen zu verbieten. So zum Beispiel die Zahl 18, die in rechten Kreisen für „Adolf Hitler“ (der erste und der achte Buchstabe des Alphabets) steht. Als das neue Gesetz nun zur Anwendung kam, musste die Wiener Logopädin und Sprachtrainerin Andrea Vetter ihr Wunschkennzeichen abgeben. „Logo 18“ stand auf der Nummerntafel, bezugnehmend auf ihre berufliche Tätigkeit im 18. Bezirk. Der Wienerin wurde die Nummerntafel entzogen.

Mit dem starken medialen Echo hatte Vetter nicht gerechnet: „Am nächsten Tag war ich auf dem Cover einer Gratiszeitung in Wien, innerhalb von einer Stunde kündigten sich drei Fernsehteams an!“ In zahlreichen Berichten österreichischer Zeitungen wurde das Thema kolportiert. Überall war die Nummerntafel groß im Bild, die werbeträchtig­e Umrahmung als Hinweis auf die Osttiroler Firma unübersehbar.

Diese Nummerntafel musste Vetter abgeben, die Kennzeichenhalterung mit der Aufschrift der Obertilliacher Firma ist geblieben.
Diese Nummerntafel musste Vetter abgeben, die Kennzeichenhalterung mit der Aufschrift der Obertilliacher Firma ist geblieben.
- Peter Unterweger

„Mein Autokennzeichen haben sie mir weggenommen, aber meine Nummerntafelhalterung habe ich noch“, lacht Vetter beim Lokalaugenschein der TT und zeigt auf die Werbeschrift unter dem Kennzeichen. Dass die Wienerin auf ihrem Auto Werbung für eine Obertilliacher Werkstätte macht, ist auf jahrelange regelmäßige Urlaube im Lesachtal zurückzuführen. Dabei lernte die Familie das Autohaus Mitterdorfer kennen.

Die Geschichte hat sich schnell verbreitet. „Das hat Wellen geschlagen“, wundert sich Firmenchef Johann Peter Mitterdorfer. Anrufer aus Wien reagierten auf die Presseberichte, sogar die Renault-Zentrale Wien meldete sich bei der Osttiroler Firma. „Es war eine gute Werbung für uns“, berichtet Mitterdorfer mit einem herzhaften Lacher.