Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Osttirol

Nach Abschiebung: Lienzer Flüchtlingsfamilie kann nur warten

Der Vater der Familie Magomedov wurde vor einem Monat außer Landes gebracht. Frau und Kinder blieben zurück.

© BruggerDer Vater der Familie Magomedov wurde vor einem Monat außer Landes gebracht. Frau und Kinder blieben zurück.



Ein Monat ist vergangen, seit Magomed Magomedov morgens vor dem Kindergarten seiner jüngsten Tochter in Lienz in Schubhaft genommen und nach Wien verbracht wurde. Wenige Tage darauf haben ihn die österreichischen Behörden nach Moskau geflogen. Dort sei der Mann stundenlang verhört worden, berichtet der Jurist Josef Brugger, der die Familie berät. Eine Überstellung in sein Ursprungsland Dages­tan, wo Magomed Magomedov als Zeuge eines Mordes durch staatliche Kräfte angeblich mit dem Tod bedroht wäre, sei nicht erfolgt.

In Österreich verblieben sind seine Frau und die drei Töchter. Ein Kindergarten- oder Schulbesuch der Kinder sei derzeit nicht möglich, sagt der Jurist. „Bevor nicht endlich die ausstehenden Entscheidungen über die Beschwerde gegen den Schubhaftbescheid und über das Bleiberecht gefallen sind, ist ein öffentliches Auftreten zu gefährlich", sagt Brugger.

Wie beim Vater würde man wohl die Mutter ebenfalls bei der nächsten sich bietenden Möglichkeit verhaften. „Dass man Menschen in der Zeit des Wartens auf Behördenentscheide so verängstigt, ist eines Rechtsstaates unwürdig. Das ist eine Schande für Österreich", meint der Jurist. Auch Bischof Hermann Glettler habe unmissverständlich dargelegt, dass es die Rechtsstaatlichkeit ad absurdum führe, wenn man Menschen bereits deportiert, bevor überhaupt entschieden sei, ob eine Abschiebung zulässig ist. „Man kann nur warten." (Christoph Blassnig)