Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.10.2018


Tirol

Elementarpädagogik: Tirol als „weißer Fleck“ auf der Bildungslandkarte

Im Herbst starteten in sieben Bundesländern Bachelor-Studienangebote für Elementarpädagogen. Tirol muss noch warten.

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Von Sabine Strobl

Innsbruck – „Österreich ist europaweit Schlusslicht in der akademischen Ausbildung der Elementarpädagogen“, bedauert Thomas Schöpf, Rektor der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT), und spricht von „weißen Flecken“ auf der Bildungslandkarte. In Fachkreisen wird die akademische Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen forciert, ein wissenschaftlich untermauerter Hintergrund soll sie für die steigenden Anforderungen rüsten. Immerhin ist der Kindergarten die erste Bildungseinrichtung, die Kinder besuchen.

Der Weg ist ein langer. Heuer starteten laut Auskunft des Bildungsministeriums in sieben Bundesländern – mit Blick auf eine leitende Funktion – drei neue Curricula für Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen, so zum Beispiel ein „Bachelorstudium Elementarpädagogik“ an den Pädagogischen Hochschulen in der Steiermark, Burgenland und Kärnten. Voraussetzung der dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung ist eine Berufsberechtigung, erworben etwa durch den Abschluss der fünfjährigen Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (Kindergartenschule).

Die Weichen dafür wurden bei der Rektorenkonferenz 2016 gelegt. Wobei das Bundesministerium darin keinen „Auftrag“ vorgab. Es liege in der Entscheidung der Pädagogischen Hochschulen, ihr Angebot zu planen.

Der Ball befindet sich jetzt beim Entwicklungsverbund West, zu dem die PH Tirol, Vorarlberg, die kirchliche PH Edith Stein, die Universität Mozarteum Salzburg und die Universität Innsbruck gehören. „Nach Umsetzung der neuen Lehrerausbildung haben wir beschlossen, ein gemeinsam eingerichtetes Bachelorstudium anzubieten“, erklärt PHT-Rektor Schöpf. Das entsprechende Studium soll bis 2021 auf den Beinen stehen. Auch die Uni Innsbruck hat Interesse dafür bekundet.

Warum das Angebot in Tirol noch in der Warteschleife hängt? Es müsse ein Bedarf festgestellt werden, das sei bislang ausgeblieben. Das Interesse am Studiengang dürfte jedenfalls enorm sein, das zeigen nicht nur andere Bundesländer, sondern auch der Ansturm in Tirol auf die Fortbildungsangebote, welche die PHT vor zwei Jahren vom Land übernommen hat. „Es gab 4000 Buchungen von 1500 Kindergärtnerinnen im Studienjahr 2018/2019. Wir müssen der Nachfrage gerecht werden. Um die Wartelisten bedienen zu können, wird mit dem Land Tirol über weitere finanzielle Mittel verhandelt“, erklärt Schöpf.

Zusätzlich nutzen die Kindergartenpädagoginnen, die ihren Wissensdurst übrigens freiwillig stillen, die Fortbildungsangebote für Volksschullehrerinnen. Hier freut sich Schöpf über Synergieeffekte. „Es findet ein Austausch statt, man lernt das jeweilig andere System kennen.“ Die PHT ist nicht zuletzt auch im Gespräch mit Südtirol, wo die Freie Uni Bozen ein Masterstudium für Kindergartenpädagogik und Volksschullehramt im Programm hat.

Mit der zunehmenden Akademisierung wird auch die Diskussion über die mäßige Bezahlung der Kindergartenpädagoginnen im Vergleich zu Lehrerinnen kommen. Darin sind sich Schöpf und Peter Trojer, Rektor der PH Edith Stein in Stams, einig. Letzterem ist zudem ein Bachelorstudium für Sozialpädagogik ein Anliegen.