Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.10.2018


Tirol

Die Trauerpfützen der Kinder

Zu Allerheiligen werden auch trauernde Kinder vor den Gräbern stehen. Sie trauern allerdings anders als die Erwachsenen. Rainbows und Hospiz helfen.

Symbolfoto.

© BegsteigerSymbolfoto.



Von Hubert Daum

Innsbruck – Am be- oder empfohlenen Tag der Trauer, zu Allerheiligen, werden die Menschen wieder zu den Gräbern pilgern und ihrer verstorbenen Angehörigen gedenken. Für manche Kinder kann dieses Ritual allerdings belastend sein, vor allem für jene, die in jüngster Vergangenheit einen nahen Angehörigen verloren haben. Sie können oft das Ausmaß des Sterbens nicht begreifen. Der Erwachsenenwelt fällt es schwer, mit trauernde­n Kindern umzugehen, denn man hat selbst meist keine Erfahrung, wie Kinder mit solchen Verlusten zurechtkommen. Experten, die sich mit der Trauer befassen, wissen: Kinder trauer­n anders als Erwachsene. Sie reden und weinen meist weniger, aber trauern genauso.

„Die Trauer von Kindern ist im Prinzip mit folgendem Bild zu veranschaulichen: Erwachsene haben einen Trauerfluss, Kinder springen in Trauerpfützen“, erklärt Gertrud Larcher. Sie zählt beim Thema Kindertrauer zu den Koryphäen in Tirol und arbeitet für den Bundesverein „Rainbows“, dessen Kernkompetenz es ist, Kindern mit Trennungs- und Trauerschmerz und deren Angehörigen externe Hilfe anzubieten. Es sei wichtig, dass in diesen stürmischen „Regenzeiten“ vieles konstant und der Alltag möglichst normal bleibt. Kinder und auch Jugendliche würden oft die Trauer vertagen, weil ja schon die Umwelt so traurig ist. Allerdings müsse das Traurigsein ausgedrückt werden. „Wir bieten den Kindern einen Schutzraum, in dem sie Fragen stellen können“, sagt Rainbows-Landesleiterin Barbara Baumgartner, die mit ihren 14 Trauerbegleiterinnen tirol­weit heuer das 25-Jahr-Jubiläum feiert, „Betroffene können sich an uns wenden, wenn sie Hilfe brauchen, unabhängig von ihrer finanziellen Situation.“

Seit Jahren arbeitet Rainbows auch mit der Hospizgemeinschaft zusammen. „Vor rund einem Jahr riefen wir ein eigenes Kinder-Hospizteam ins Leben“, erzählt Maria Streli-Wolf von der Hospiz Tirol, „es begleitet unter anderem Familien, in denen Kinder als Angehörige betroffen sind, wenn ein Elternteil schwer erkrankt oder verstorben ist.“ Nun wird die Kooperation intensiviert: Ab nächstem Jahr wird im neuen Hospizhaus in Hall ein Rainbows-Beratungsnachmittag eingeführt.

„Kinder trauer­n anders: Erwachsene haben einen Trauerfluss, Kinder springen in Trauerpfützen", sagt Gertrud Larcher
 (Trauerbegleiterin).
„Kinder trauer­n anders: Erwachsene haben einen Trauerfluss, Kinder springen in Trauerpfützen", sagt Gertrud Larcher
 (Trauerbegleiterin).
- Larcher



Kommentieren


Schlagworte