Letztes Update am Di, 30.10.2018 13:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweiz

LSD-Trip für die Forschung: Hirnareale kommunizieren anders

Wie Forscher herausfanden, hängt die Wirkung von LSD von einem bestimmten Rezeptor im Gehirn ab. Sie ist vergleichbar mit Veränderungen des Denkens und der Wahrnehmung bei psychischen Krankheiten wie Schizophrenie.

Lysergsäurediethylamid - besser bekannt als LSD - wirkt psychoaktiv auf das Gehirn und lässt Umwelteindrücke in einem anderen Licht erscheinen. Das liegt daran, dass Hirnareale anders als gewohnt miteinander kommunizieren.

© iStockLysergsäurediethylamid - besser bekannt als LSD - wirkt psychoaktiv auf das Gehirn und lässt Umwelteindrücke in einem anderen Licht erscheinen. Das liegt daran, dass Hirnareale anders als gewohnt miteinander kommunizieren.



Zürich – Ein LSD-Trip für die Forschung: Ein Forschungsteam um Katrin Preller von der Universität Zürich und der Yale University in den USA hat untersucht, wie sich die Droge auf die Hirnaktivität gesunder Probanden auswirkt. Die Ergebnisse liefern auch Hinweise, wie sich psychische Störungen besser behandeln ließen. Das teilte die Hochschule am Dienstag mit.

Sensorische Empfindung verstärkt

Unter LSD-Einfluss kommunizieren Hirnareale anders, wie die Wissenschafter im Fachblatt „eLife“ berichten. Demnach tauschen sich die Hirnareale, die an Planung und Entscheidungsfindung beteiligt sind, weniger aus, jene für sensorische Empfindung und Bewegung hingegen mehr.

Diese Wirkung von LSD hängt dabei von einem bestimmten Rezeptor im Gehirn ab, wie die Forscher herausfanden, nämlich der Andockstelle für den Hirnbotenstoff Serotonin-A. „Blockierten wir diesen Rezeptor mit der Substanz Ketanserin, wirkte LSD nicht mehr“, erklärte Preller.

Mit Schizophrenie vergleichbar

Die Wirkung von LSD auf das Gehirn ist unter anderem deshalb interessant, weil sie vergleichbar ist mit Veränderungen des Denkens und der Wahrnehmung bei psychischen Krankheiten wie Schizophrenie. Medikamente zur Behandlung dieser psychischen Erkrankung blockieren verschiedene Serotonin-Rezeptoren, jedoch sprechen nicht alle Betroffenen darauf an. Aufbauend auf den in der Studie gemessenen Hirnaktivitätsmustern könnten Mediziner langfristig einzelne Patienten identifizieren, die am ehesten von Medikamenten mit spezifischen Serotonin-Wirkmechanismen profitieren werden, so Preller.

Psychedelika wie LSD könnten aber auch selbst zur Therapie bei bestimmten psychischen Erkrankungen dienen, indem sie bestimmte Symptome lindern. So lieferten frühere Studien der Uni Zürich Hinweise, dass sich zum Beispiel die stark gedrückte Stimmung depressiver Patientinnen und Patienten, ihre hohe Selbst-Fokussierung und ihre verminderten Serotoninwerte durch Psychedelika abmildern lassen. (APA/sda)