Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.11.2018


Innsbruck

Brandschutz in Wohnanlagen: Auch Rollator muss weichen

Eine 86-jährige Innsbruckerin darf ihre Gehhilfe nicht im Stiegenhaus „parken“. Die Hausverwaltung verweist auf strenge Vorschriften – und ein Lösungsangebot.

Stiegenhäuser und Gänge in Wohnanlagen sind von Gegenständen freizuhalten – selbst für Rollatoren gibt es hier keine Ausnahme.

© iStockphotoStiegenhäuser und Gänge in Wohnanlagen sind von Gegenständen freizuhalten – selbst für Rollatoren gibt es hier keine Ausnahme.



Innsbruck – Beim heiklen Thema Brandschutz in Wohnanlagen gibt es wenig Raum für Kompromisse. Das zeigt sich jetzt am Beispiel einer 86-jährigen Dame, die in der Innsbrucker Andechsstraße eine Mietwohnung im Hochparterre bewohnt. Nicht erst seit ihrer jüngsten Knieoperation ist sie auf einen Rollator angewiesen. Früher habe sie diesen unter den Postkästen im Stiegenhaus abgestellt, „wo er wirklich keinen Menschen stört“, erzählt ihre Nichte.

Doch das lasse die Hausverwaltung unter Hinweis auf die feuerpolizeilichen Vorschriften nun nicht mehr zu. „Seither muss meine Tante den Rollator unter freiem Himmel am Radständer festsperren. Ihn über die Treppe hinaufzutragen, ist für sie unmöglich.“ Die Nichte ärgert sich: „Bei Kinderwägen sage ich ja nichts, da geht es um junge und gesunde Leute. Aber für alte Menschen, die möglichst lange selbstständig zu Hause wohnen sollen, muss es doch eine Alternative geben.“

Bei der Hausverwaltung, der Immobilienbüro Ing. Lugger GmbH, ist die Problematik bekannt, man sei um eine Lösung bemüht. „Im ersten Schritt haben wir Schreiben in den Stiegenhäusern aushängen lassen, damit sich all jene Personen melden können, die Interesse daran haben, einen Container für Rollatoren sowie Kinderwägen vor dem Haus anzumieten.“ Bis dato habe man aus dem Haus in der Andechsstraße aber keine Rückmeldung erhalten. „Sollte sich großes Interesse ergeben, werden wir Gespräche zur Anschaffung dieser Container mit den Eigentümern suchen.“ Das Ganze, so betont man, gehe auch nicht von der Hausverwaltung aus, „sondern wird von der Behörde per Bescheid vorgeschrieben. Und an behördlichen Vorgaben ist nicht zu rütteln, es geht hier ja um die allgemeine Sicherheit.“

Den Eindruck, dass Hausverwaltungen generell strikter auf vollgestellte Stiegenhäuser und Gänge schauen als früher, bestätigt auch GF Markus Pollo von der Neuen Heimat Tirol (NHT): „Wir fahren hier seit ca. zwei Jahren ein strenges Regiment.“ Schließlich gehe es nicht nur um das Einhalten von Fluchtwegbreiten, sondern auch um die Objekte selbst, die potenzielle Brandherde oder Stolperfallen bei Verrauchung darstellen. Das gelte selbst für Schuhe am Gang. Darauf weise man die Mieter in Anschreiben oder auch in der Wohnbaufibel hin, sagt Pollo, die Disziplin habe sich bereits erhöht. Zuletzt sei man etwa bei der Feuerbeschau durch die Stadt Innsbruck in NHT-Hochhäusern als vorbildlich gelobt worden. „Es gab aber auch schon Fälle, wo wir mit Räumung per Gericht an die Mieter herantreten mussten, wenn sie auf mehrmalige Aufforderung hin nicht reagierten.“ (md)

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.