Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.11.2018


Bezirk Imst

Jeder dritte Sanitäter unterstützt Lebensretter-App

Bei Atem-Kreislauf-Versagen hilft seit Kurzem eine App bei der Alarmierung von Rotkreuz-Sanitätern im Bezirk Imst.

null

© Agnes Dorn



Von Agnes Dorn

Imst – „In fünf Jahren redet man wahrscheinlich gar nicht mehr darüber, weil es selbstverständlich geworden ist“, zeigt sich GF Thomas Köll von der Bezirksstelle Imst überzeugt vom Sinn der Lebensretter-App. Seit Anfang 2018 ist die Applikation von Team Österreich, die auf jedem Smartphone installiert werden kann, in den Bundesländern Wien, Burgenland, Niederösterreich und Tirol in Betrieb und bereits jeder dritte Sanitäter im Bezirk Imst hat sich bei Administrator Peter Schranz registriert.

Doch worum geht es konkret? Wird die Leitstelle im Falle eines Atem-Kreislauf-Versagens verständigt, leitet sie diesen Notruf nicht nur an den Rettungsdienst weiter, sondern gibt den Alarm auch in das System der Lebensretter-App ein. Das wiederum gibt die Meldung an jene registrierten Notfallsanitäter und Notärzte weiter, die dank GPS in einem Umkreis von einem Kilometer vom Einsatzort lokalisiert werden können.

Dem Sanitäter steht es frei, die Alarmierung zu bestätigen, ansonsten erhalten weder die Leitstelle noch der Administrator Informationen über Anzahl und genauen Aufenthaltsort der im System gemeldeten Sanitäter. Erst wenn einer der „Lebensretter“ den Alarm annimmt, wird er zum Einsatzort beziehungsweise der zweite oder dritte zum nächsten Defibrillator gelotst. „Bei Kreislaufversagen ist die Zeit ein enormer Faktor und man kann mit den bloßen Händen etwas tun“, erklärt Schranz, warum gerade bei einem solchen Notfall das rasche Eingreifen eines Ersthelfers lebensrettend sein kann. „Jährlich gibt es 20 bis 25 Reanimationen im Bezirk“, weiß der Leiter des Rettungsdienstes, Jürgen Bombardelli, zu berichten und betont: „Schon nach drei Minuten kann es zu bleibenden Schäden kommen.“

Seit die App installiert wurde, konnten bezirksweit bereits dreimal Sanitäter, die zufällig in der Nähe waren, zum Einsatzort gelotst werden – in einem Fall traf der „Lebensretter“ noch vor der Rettung ein. Österreichweit hat das System bereits 643 Einsätze registrieren können. „Die Sanitäter sind gut verteilt, auch bis in die Täler hinein“, freut sich Schranz über die bereits gute Reichweite dieser potenziellen Ersthelfer.

Ziel sei es, dass irgendwann möglichst alle rund 400 aktiven Sanitäter des Bezirks sich bei der App registrieren lassen, wie Köll hofft. Angedacht sei es außerdem, das System auch auf befreundete Partnerorganisationen und Private auszuweiten, doch das ist noch Zukunftsmusik. Das Projekt könne man indes bereits dann als Erfolg verbuchen, wenn es dadurch eine Lebensrettung pro Jahr gebe, zeigen sich die RK-Mitarbeiter überzeugt.