Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.11.2018


Osttirol

Neues Leben nach Sturz in die Tiefe

Im Training für einen Sportwettbewerb stürzte der Berufssoldat Antonio La Regina im Jänner 2015 am Weißseekopf in der Mölltaler Gletscherkette in die Tiefe. Er überlebte und kämpfte sich zurück ins Leben.

© Antonio La ReginaDas letzte Foto vor dem Sturz in die Tiefe am Mölltaler Gletscher im Jänner 2015.



Von Daniela Agu

Lienz, Wien – Seine Mutter stammt vom traditionellen Gribelehof am Hochstein. Damit verbindet Antonio La Regina viele Kindheitserinnerungen.

Er ist jedoch in Südtirol aufgewachsen, wo er auch noch das Gymnasium absolvierte. Nach einigen Jahren im Ausland hat La Regina seinen Grundwehrdienst in Lienz geleistet. Der sportbegeisterte Berufssoldat ging an die Militärakademie in Wiener Neustadt und schloss dort mit Auszeichnung ab. Er fand militärische Verwendung als Kompaniekommandant und Leutnantstellvertreter im Jägerbataillon 25 in Klagenfurt. „Die Berge habe ich schon immer berauschend gefunden“, berichtet La Regina: „Dort konnte ich meine Zeit genießen. Als Spitzensportler nutzte ich jede Gelegenheit, sowohl beruflich als auch privat.“ Das Militär sei zwar sein Brotberuf gewesen, doch in ihm regte sich auch der Künstler. „Meine humanistische Bildung, mein Interesse für Rhetorik, Theater, Film und Fotografie gehörten ebenso zu mir. Ich träumte von der Bühne. Doch meine Träume lebte ich nicht.“

Spitalsaufenthalt in Klagenfurt.
- Antonio La Regina

Im Jahr 2014 habe er sich in eine Lienzerin verliebt, erzählt La Regina. Etwas älter als er selbst, habe die Frau eine große Faszination auf ihn ausgeübt.

„Im Jänner 2015 habe ich meinen Dienst versehen, wobei als Training für einen Sportwettbewerb eine Skitour mit vier Kameraden geplant war.“ Am Weißseekopf in der Mölltaler Gletscherkette stand La Regina bei Postkartenwetter auf seinen Skiern und posierte für ein Foto: „Das war das letzte Mal, dass ich im Vollbesitz meiner körperlichen Fähigkeiten war. Ich trank einen Fruchtsaft vor der Tour und er schmeckte so herrlich, als wäre es mein letzter.“ Bei der Abfahrt löste sich eine Skibindung. Kopf voran stürzte der Soldat 150 Meter in den Abgrund. Dank des professionellen Vorgehens der Kameraden habe die Rettungskette perfekt funktioniert, seine Ausrüstung und der Helm hätten noch das Schlimmste verhindert. Die gesamte linke Körperhälfte war schwer verletzt, der Oberschenkel wies einen offenen Bruch auf. Teilweise bei Bewusstsein, habe er nur den Gedanken ans Überleben festgehalten. „Die Liebe zu dieser Frau war mein Fallschirm“, schildert La Regina.

Nach einem Monat das traurige Fazit der behandelnden Ärzte am Landeskrankenhaus Klagenfurt: 70 Prozent Behinderung, Rollstuhl, Krücken. Seine Partnerin habe zu ihm gehalten. „Sie war das beste Schmerzmittel für mich“, erinnert er sich. „Sie hat vor, während und nach meinem Unfall eine zentrale Rolle für mich gespielt.“ Dreizehn Tage vor seinem Absturz habe er seine Partnerin noch dazu angehalten, die Zeit zu genießen. „Man weiß nicht, wann es vorbei ist“, habe er zu ihr gesagt. Nicht ahnend, wie prophetisch die Worte sein sollten.

Reha in Bad Häring.
- Antonio La Regina

Auch die Familie und seine Freunde seien ihm eine große Stütze gewesen. Dabei habe er nie seinen Humor verloren. Seinen Sturz in die Tiefe nennt La Regina heute doppeldeutig einen „Glücksfall“, denn er habe sein Leben verändert. In der Reha-Phase habe sein Kampf zurück ins Leben begonnen. Ab April 2015 unterzog er sich wochenlang Therapien in Bad Häring. Ein Jahr lang war er krank gemeldet, dann habe er, mittlerweile auf eigenen Beinen, wieder zu arbeiten begonnen: als Trainer in einem Sprachinstitut in Wien.

Doch der Sturz hatte einen Paradigmenwechsel zur Folge: Der Traum von den darstellenden Künsten war da. Der Wunsch nach Menschen, Mikrophon und Kamera habe ihn überwältigt, erzählt der junge Mann. „Ich musste meine Träume leben. Das Leben kann so schnell vorbei sein.“

Er überzeugte in Wien einen Radiosender von sich und wurde Morning-Show-Moderator, bis er vor Kurzem noch Größeres umsetzte. „Ich habe gespürt, dass das Mikrophon allein nicht mehr reicht, und habe mich als Filmproduzent selbstständig gemacht.“

Antonio La Regina hat Visionen von großen Projekten. Im Laufe der Jahre habe er sich autodidaktisch weitergebildet und ständig an seinen Kompetenzen im medialen Bereich gefeilt. „Ich habe es einfach im Blut. Man kann es nicht lernen, man muss es spüren“, ist er überzeugt. „Mit meiner Kunst möchte ich den Menschen die schönen Seiten des Lebens zeigen.“

Antonio La Regina heute, ein Künstler, der als Filmschaffender mit großen Visionen auf die Schönheit des Lebens hinweisen will.
- Antonio La Regina

Vor allem trage ihn Dankbarkeit für die Chance, noch einmal gesund geworden zu sein. „Das Glück, das ich dabei hatte, will ich den Menschen zurückgeben. Ich will auch eine Stimme sein für all jene, die von den Medien oft vergessen werden.“