Letztes Update am Mo, 05.11.2018 14:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Indien

200-köpfiges Team jagte Avni: Menschenfressende Tigerin erschossen

Drei Monate lang macht ein Team in Indien mit ungewöhnlichen Mitteln Jagd auf Tigerin Avni, die 13 Menschen getötet haben soll. Während Tierschützer nach deren Tod von „kaltblütigem Mord“ sprechen, veranstalten betroffene Dorfbewohner Freudenfeste.

© dpaExperten wollten die Tigerin mit Parfum anlocken.



Neu Delhi – Avni soll für den Tod von bis zu 13 Menschen verantwortlich sein - am Freitag nun ist die Tigerin laut Polizei im Westen Indiens nach einer großangelegten Jagd erschossen worden. In einer dreimonatigen Suche hatte die Forstbehörde im Bundesstaat Maharashtra ein Team von knapp 200 Leuten mit Kameras, Drohnen, Spürhunden sowie einem Hängegleiter auf das Tier angesetzt, berichtete der Sender NDTV.

Die sechs Jahre alte Tigerkatze – offiziell als T1 bekannt und mit dem Spitznamen Avni versehen – soll seit Juni 2016 Dorfbewohner in der Nähe des Ralegaon-Waldes getötet haben. Im September hatte das Oberste Gericht abgelehnt, einen Schießbefehl gegen die Mutter von zwei zehn Monate alten Tigerjungen auszusetzen. Die Entscheidung löste eine Welle von Online-Petitionen zum Schutz der Tigerin aus.

Eine Jagd, zwei Versionen

Schlagzeilen machte die Jagd auf Avni aber auch deshalb, weil die Tigerin mit einer ungewöhnlichen Methode angelockt werden sollte. Experten wollten sie mit dem Calvin-Klein-Duft „Obsession“ ködern, der mit seinem Vanillegeruch samt Kopfnote bei Menschen wie Tieren gleichermaßen Neugier wecken soll. Ob das Parfum letztlich dabei half, dem Tier auf die Spur zu kommen, ist unklar.

Der Jäger, der Avni erlegte, ist dagegen bekannt: Ashgar Ali Khan, der Sohn von Indiens berühmtestem Jäger Nawab Shafath Ali Khan, soll die tödliche Kugel abgefeuert haben. Ein Sprecher der indischen Forstverwaltung sagte der Zeitung „The Indian Express“, ein Mitarbeiter der Verwaltung habe zunächst einen Betäubungspfeil auf die Tigerin abgeschossen. „Aber sie griff das Team an, weshalb Ashgar zur Selbstverteidigung schießen musste.“

Die Tigermutter sei nach nur einem Schuss tot umgefallen. Ihr Körper wird anschließend zur Obduktion in einen Zoo in der Stadt Nagpur gebracht. Indische Medien lieferten jedoch eine andere Version der Jagdszene. Die „Times of India“ zitierte einen Teilnehmer, demzufolge der Betäubungspfeil erst nachträglich in das tote Tier gesteckt wurde.

Erleichterung und Wut

Die Reaktionen auf Avnis Tod sind gespalten. Tierschützer protestieren im Internet gegen ihre Tötung - sie sind der Ansicht, die Forstbehörde hätte das Tier einfangen sollen. Der Aktivist und Veterinärarzt Jerryl Banait sprach von einem „kaltblütigen Mord“. „Avni wurde illegal umgebracht, um den Blutdurst eines Jägers zu stillen“, erklärte auch die Tierschutzorganisation Peta.

Fernsehbilder zeigten aber auch feiernde Anwohner, die über das Ende der Bedrohung durch die Tigerin erleichtert sind. In Indien lebt die größte Zahl wilder Tiger weltweit: 2226 Tiere wurden dort 2015 gezählt. Regierungsangaben zufolge stirbt im Schnitt jeden Tag ein Inder durch den Angriff von Tigern oder Elefanten. (AFP, TT.com)




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