Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Osttirol

Viel Solar-Potenzial in Osttirol: Die Energiewende braucht Teilziele

Bis zum Jahr 2050 soll Tirol seinen Energiebedarf selbst decken. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Verbrauch auf die Hälfte gesenkt werden, der Ertrag aus erneuerbaren Energien um 30 Prozent steigen.

© Kollnig Auch nachträglich lässt sich Photovoltaik ortsbildverträglich installieren.



Von Christoph Blassnig

Dölsach – Die Stromerzeugung aus Photovoltaik sei inzwischen ohne Förderungen marktfähig, sagt Martin Kollnig, der eines der in diesem Bereich tätigen Unternehmen in Osttirol führt. „Wo es jetzt noch Unterstützung aus öffentlicher Hand braucht, ist die Speichertechnologie.“ Generell sei eine Anschubförderung, bis sich nachhaltige Alternativen auf dem Markt etablieren, eine gute Sache. Bisher waren es meistens Eigenheimbesitzer, die in eine Stromerzeugung auf dem Hausdach investiert haben. Förderungen beim Kauf und anschließend relativ hohe Einspeisevergütungen für den Überschussstrom haben diese Entwicklung vorangetrieben. Heute liegt der Verkaufspreis je Kilowattstunde nur noch bei der Hälfte oder gar nur noch einem Drittel des Einkaufsbetrages beim Energielieferanten. Die Anlagen werden deshalb so konzipiert, dass möglichst die gesamte Energie im eigenen Haus verbraucht wird. Es gibt Systeme, die Verbraucher wie die Waschmaschine, den Trockner oder die Geschirrspülmaschine dann einschalten, wenn die Energie dafür gerade selbst erzeugt wird. Überschussstrom fließt in den Heizstab der Warmwasseraufbereitung, wo bei entsprechender Dimensionierung Schlechtwetterreserven möglich sind. Durch die Verlagerung des Stromverbrauchs in die ertragreichsten Tagesstunden und die Optimierung des eigenen Stromverbrauchs erhöht sich der Anteil der direkt nutzbaren Energie aus der Eigenproduktion. Es muss weniger Strom aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden. Durch Speicheranlagen lässt sich weiter optimieren.

„Wenn wir in Tirol das gesteckte Ziel der Energieautonomie bis zum Jahr 2050 wirklich erreichen wollen, müssen wir uns jetzt auf den Weg machen und nicht erst im Jahr 2048“, meint Kollnig. Das Potenzial sei jedenfalls da. „Osttirol könnte seinen Energieverbrauch heute schon durch die Nutzung der bestehenden Dachflächen vollständig selbst decken. Das ist eine Tatsache“, rechnet der Unternehmer vor. Auch volkswirtschaftlich sieht Kollnig in der Energiewende eine große Chance für den Bezirk: „Nehmen wir eine jährliche Kostenersparnis beim Strom von 500 Euro pro Eigenheim an und eine Anzahl von 2000 solchen Selbstversorgern. Eine Million Euro mehr stünde Jahr für Jahr an direkter Wirtschaftskraft unserer Leute vor Ort zur Verfügung.“ Bei allen politischen Vorgaben fehle ihm in den Druckwerken eines: „Nirgends steht, wann wir beginnen und vor allem, wie wir unsere Energieautonomie erreichen wollen. Wir brauchen bis 2050 definierte Teilziele und müssen diese so mitteilen, dass sie jeder versteht und daran teilhaben kann.“ Das Projekt Tirol2050 nennt auf seiner Homepage unter anderem Fahrrad- und Bildungsprojekte sowie die Vernetzung von Initiativen.

Die Novelle 2017 des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG) brachte eine Änderung im Bereich von Photovoltaikanlagen, von der nun auch Wohnungseigentümer und Mieter profitieren können: Mehrere Parteien unter einem Dach können sich eine größere Anlage teilen. Jede teilnehmende Partei erhält einen elektronischen Zähler, der zwei Abrechnungen ermöglicht: jene über den Verbrauch aus dem öffentlichen Netz und eine weitere über den Strombezug vom Dach. Der verbrauchte Solarstrom wird von der Rechnung abgezogen. Zusätzlich erspart sich der Konsument Netzgebühren und Steuern, die beim Bezug normalerweise anfallen.

Martin Kollnig kennt das Solar-Potenzial Osttirols.
- Blassnig Christoph

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