Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Erste Hilfe

Mehr Technik stellt Freiwillige vor Probleme

Wenn jede Sekunde über das Überleben entscheidet, braucht es fähige Retter. 1000 von ihnen diskutieren in Innsbruck über die Zukunft der Notfallmedizin.

© thomas boehm(Symbolfoto)



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Neun Prozent der Tiroler sind jährlich auf einen Notarzt angewiesen, rund 64 Einsätze fahren und fliegen die Tiroler Notärzte im Durchschnitt jeden Tag. Dafür sind in Tirol neben 13 Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) und neun niedergelassenen Notärzten in der Wintersaison auch bis zu 16 – und damit die Hälfte der österreichweiten – Notarzt-Helis im Einsatz.

Doch darauf will man sich nicht ausruhen, deshalb findet derzeit im Congress Innsbruck das 22. Symposium für Notfallmedizin mit 1000 Teilnehmern aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz statt.

Neben den Notärzten – in Tirol zu 50 Prozent Anästhesisten – geht es dabei auch um die Sanitäter: „In 85 Prozent der Fälle ist in Tirol neben dem Notarzt ein Notfallsanitäter mit einer höheren Ausbildung als ein Rettungssanitäter dabei“, sagt Michael Baubin vom Organisationsteam des Symposiums sowie Leitender Oberarzt an der Innsbrucker Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.

350 hauptberufliche und 1300 ehrenamtliche Helfer sind beim Roten Kreuz Tirol als Sanitäter im Einsatz.

Doch die Zahl der Freiwillingen sinkt. „Das hängt nicht mit fehlendem Engagement, sondern mit den gestiegenen Anforderungen zusammen, die ehrenamtlich teils schwer zu erfüllen sind“, sagt Armin Krösbacher, Schulungsarzt der Rettung Innsbruck. „Eine der größten Herausforderungen ist die Personalsuche und Ausbildung“, sagt er und sieht eine große Veränderung: „Es muss immer mehr Technik beherrscht werden.“ Das verbessert zwar die Versorgung, verändert aber auch die Ausbildung. Zum Einsatz kommen inzwischen Computersimulationen für außergewöhnliche Situationen. Beim Symposium widmet sich einer der 50 Vorträge diesem Thema.

Baubin will die Notfallmedizin als dritte Säule der Gesundheitsversorgung, neben Station und Ambulanz, etablieren. Denn auch Freiwillige sind durch Ausrüstung und Ausbildung nicht kostenlos, die Einsätze werden mehr. „Auf dem Land gibt es weniger niedergelassene Ärzte und auch in der Stadt springt die Notfallmedizin zu später Stunde ein“, unterstreicht er die Bedeutung.