Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.11.2018


Freiwilligen Messe Tirol

„Tiroler haben ein Solidaritäts-Gen“

Diesen Freitag findet in der Innsbrucker Messehalle die Freiwilligen Messe Tirol statt. Caritas-Direktor Georg Schärmer sieht im unbezahlten Engagement eine ganz zentrale Säule unserer heutigen Gesellschaft.

© pixabay(Symbolbild)



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Anpacken, wo Unterstützung gebraucht wird, und helfen, wo die Not groß ist. „Die Tiroler haben ein Solidaritäts-Gen“, ist Tirols Caritas-Direktor Georg Schärmer überzeugt und stellt damit seinen Landsleuten ein ausgesprochen gutes Zeugnis aus. Und er hat auch eine Erklärung für die große Tiroler Hilfsbereitschaft parat: „Es liegt an der Geographie unseres Landes mit seinen engen und teilweise abgeschiedenen Tälern.“ Über die Jahrhunderte hätten es die Menschen geradezu in sich abgespeichert, dass es etwa bei Naturereignissen sofort darum geht, sich gegenseitig und schnell zu helfen. „In einer Großstadt wie Wien verlassen sich die Leute hingegen viel eher auf den Magistrat, wenn etwas nicht funktioniert“, meint Schärmer. Diese Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, schlage sich auch in der Freiwilligenarbeit nieder, die in Tirol ausgesprochen stark ausgeprägt sei und einen hohen Stellenwert genieße.

Sich gegenseitig unter die Arme zu greifen, wird aber in Tirol nicht nur besonders gelebt, sondern liegt nach Ansicht Schärmers auch ganz grundsätzlich in der Natur des Menschen: „Der Mensch war immer schon auf Kooperation und Zusammenarbeit angewiesen. Du kannst ein Mammut nicht alleine erlegen.“ Von der Bereitschaft, füreinander da zu sein, profitieren heute zahlreiche Vereine, Organisationen und Institutionen in Tirol. „Ohne die vielen Freiwilligen könnten sie ihre Aufgaben nicht erfüllen“, sieht Schärmer in der aktiven Zivilgesellschaft eine zentrale Säule des heutigen Miteinanders.

Caritas-Direktor Georg Schärmer: „Der Mensch war immer schon auf Kooperation angewiesen. Du kannst ein Mammut nicht alleine erlegen.“
- Caritas

Allerdings könne sich auch die Freiwilligen-Arbeit einem laufenden gesellschaftlichen Wandel nicht entziehen. „Früher beispielsweise war es vor allem die Generation 60 plus, die sich sozial engagiert hat. Heute pflegen diese Menschen aber meist ihre 80-jährigen Eltern zu Hause“, sagt Schärmer. Außerdem habe die Bereitschaft, sich längerfristig an eine ehrenamtliche Tätigkeit zu binden, deutlich abgenommen. „Der Freiwillige der Gegenwart ist ein Normade.“ Ein Helfender, der selten länger an einem Ort – also bei einer Organisation – bleibt und sich dann eine neue Tätigkeit sucht. Die Freiwilligen von heute wollen sich engagieren, aber daraus auch möglichst einen Mehrwert für sich ziehen, weiß der Caritas-Direktor. Für die Organisationen bedeute dieser Wandel, dass sie ihre Angebote so verändern müssen, dass auch kurzzeitige Engagements möglich sind.

Sorgen darüber, dass Tirol die Freiwilligen ausgehen könnten, macht sich Schärmer trotz des gesellschaftlichen Wandels nicht. Man tue den jungen Menschen Unrecht, wenn man ihnen Desinteresse an sozialen Themen unterstellt. Im Gegenteil: Umfragen hätten gezeigt, dass rund ein Viertel der Jugendlichen bereit ist, sich sozial zu engagieren. Auch hier seien wiederum Vereine, Institutionen und Organisationen gefragt, entsprechend flexible Angebote für junge Freiwillige zu schaffen.

Um einen Austausch von Angebot und Nachfrage im freiwilligen Bereich zu ermöglichen, findet am kommenden Freitag bereits zum sechsten Mal die Freiwilligen Messe Tirol statt (siehe Kasten rechts). Diese war unter Schär­mers Federführung ins Leben gerufen worden und soll Interessierten eine Plattform bieten, sich über Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit zu informieren. Aber auch Organisationen finden hier Gelegenheit, sich zu präsentieren und zu vernetzen. „Die Themen reichen von Sport, Kultur und Bildung über Soziales bis hin zu Naturschutz“, erklärt Schär­mer und bezeichnet die eintägige Veranstaltung als Erfolgsgeschichte von der ersten Stunde an. Die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren hätten gezeigt, wie gefragt freiwilliges Engagement in Tirol ist. Eine Verlängerung der Messe auf zwei Tage ist für 2020 geplant.




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