Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.11.2018


Gesellschaft

Der Nationalpark baut Brücken

Das Iseltaler Blechbläser Ensemble führte das „Klangbild der Berge Osttirols“ am Samstag im Burgenland auf. Mit faszinierenden Bildern und eingebettet in Texte hat sich der Nationalpark Hohe Tauern präsentiert.

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© Peter Unterweger



Von Peter Unterweger

Matrei i. O., Raiding – Raiding ist eine kleine Marktgemeinde im Mittelburgenland. Freunde der klassischen Musik verbinden den Ort mit dem Komponisten Franz Liszt, der hier 1811 geboren wurde. Ein Museum erinnert an den großen Musiker, ein wundervoller Konzertsaal ist nach ihm benannt. Die exzellente Akustik des Raumes verstärkte die hochklassigen musikalischen Leistungen, als am Samstag, 17. November, das Iseltaler Blechbläser Ensemble unter der Leitung von Martin Gratz konzertierte. Sebastian Oblasser, Martin Wibmer, Georg Großlercher, Alois Winkler, Hannes Poppeller und Norbert Gratz gehören mit zum Klangkörper. Die Musiker haben das „Klangbild der Berge Osttirols“ aufgeführt, um mit faszinierenden Bildern und eingebettet in Texte den Nationalpark Hohe Tauern zu präsentieren.

Mit teilweise sehr persönlichen Gedanken begleitete Moderator Emanuel Egger aus Matrei i. O., einer der dienstältesten Nationalpark-Ranger Österreichs, durch den Abend. Packende Filmausschnitte und atemberaubende Bilder sorgten auf drei großformatigen Leinwänden für die visuellen Eindrücke.

Den Besuchern bot sich ein harmonisches Zusammenspiel von Musik und Bild: Wenn sich das Rauschen eines Wildbaches in die Wassermusik von Georg Friedrich Händel mischt, wird die Natur sehr direkt erlebbar. Anschaulich wurde der Charakter der Isel dargestellt, je nach Jahreszeit, vom ruhigen bis zum reißenden Gletscherfluss.

Immer wieder im Blickpunkt: der Großglockner. „Zehn Monate ist Winter auf dem Großglockner“, erklärte Moderator Egger. Mit der Gletscherthematik entführte er sein Publikum aus dem Flachland in die Welt des ewigen Eises. Zur Musik „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi wurde Osttirol als „Schnee-Tirol“ präsentiert. Sequenzen mit teils abenteuerlichen Sportmöglichkeiten in der Nationalparkregion untermalten die Blechbläser mit einer schneidigen Boarisch-Polka.

Die Nähe des Aufführungsortes zu Sopron brachte Martin Gratz in Bezug zu Markgraf Pallavicini. Dieser wurde in der jetzt ungarischen Grenzstadt geboren. Pallavicinis einst dramatischer Aufstieg durch die nach ihm benannte Eisrinne zum Gipfel des Großglockners wurde mit nachgestellten Szenen dokumentiert. Auch das visionäre Wirken des Johann Stüdl wurde in einem Beitrag gewürdigt.

„Die Liebe zur Natur baut Brücken zur Natur.“ Mit diesen Worten beschrieb Moderator Egger den burgenländischen Zuhörern die Werte einer urwüchsigen Landschaft. „A bissl gluschtig auf den Nationalpark Hohe Tauern“ habe er machen wollen, formulierte Egger zum Schluss. Der Applaus war lang. Als „Stars der Aufführung“ beim Publikum kristallisierten sich nach der Veranstaltung der Steinadler, der Bartgeier, die Murmeltiere und die Steinböcke heraus.

Der Bürgermeister von Raiding, Markus Landauer, zeigte sich ebenso begeistert wie sein Amtskollege Franz Handler aus Bad Blumau. Dieser möchte nun das „Klangbild der Berge Osttirols“ in seine steirische Thermengemeinde holen, erklärte er in einem Gespräch mit dem Nationalpark-Tirol-Direktor Hermann Stotter. Weitere Auftritte sind geplant, auch an einem Programm in der Bundeshauptstadt wird bereits gearbeitet.