Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Osttirol

Eine Tour verbindet drei Regionen

Die Alpinplattform Lienz und der Alpenverein Plodn/Sappada haben in einem Interreg-Projekt einen grenzüberschreitenden Weitwanderweg ins Leben gerufen. Alte Pilgerwege erhalten neue Bedeutung.

© Blassnig Christoph



Von Christoph Blassnig

Lienz, Maria Luggau, Plodn/Sappada – Das Kloster in Maria Luggau ist seit Jahrhunderten Ziel von Wallfahrern. Die erste pfarrlich organisierte Wallfahrt aus Osttirol über den Kofelpass unternahm laut den Aufzeichnungen im Klosterarchiv Oberlienz im Jahr 1800, mit der Bitte um Schutz vor Hagelschlag. 1858 folgte Schlaiten mit dem Gelöbnis eines jährlichen Bittganges, ebenfalls zum Schutz vor Unwetter und Hagel. Auch von Sappada pilgern Menschen seit 214 Jahren nach Maria Luggau. Insgesamt schätzt man die Anzahl von Wallfahrern in das Lesachtal heute auf 40.000 pro Jahr.

Die alten Routen erhalten neue Bedeutung: Gemeinsam mit dem Alpenverein Plodn, CAI Sappada, ist die Alpinplattform Lienz mit Werner Fröml seit zwei Jahren Träger eines Interreg-Projektes. Ein Ziel war die Schaffung des Weitwanderweges „Dolomitenweg/Cammino delle Dolomiti“ über die seit Jahrhunderten bestehenden Pilgerwege von Plodn über Maria Luggau bis Lienz, der natürlich in beiden Richtungen begehbar ist. Zwei Tage ist man bei einer Gehzeit von 14 Stunden unterwegs, eine Nächtigung sollte in Maria Luggau eingeplant werden.

Die Alpinplattform Lienz hat eine Homepage zum Thema Bergsicherheit/Bergerlebnis erstellen lassen: Unter www.bergsportarena.at sind Hütten- und Gipfeltouren sowie Kletterangebote in Osttirol zusammengefasst. Mit Beschreibungen, Bildergalerien, GPS-Daten und interaktiven Karten sowie Höhenprofilen erhält der Besucher umfassende Informationen zum Schwierigkeitsgrad und zu den Anforderungen jeder Tour. Auch der Dolomitenweg ist dort genau beschrieben.

Das Gesamtbudget für das Interreg-Projekt betrug 200.000 Euro. Weniger als ein Fünftel davon entfiel auf Osttirol. Ein Kletterturm in Sappada hat 120.000 Euro gekostet. An EU-Fördergeldern konnten beide Projektträger gemeinsam rund 140.000 Euro für ihre jeweiligen Vorhaben lukrieren.

„Wir schaffen einen Weitwanderweg auf uralten Routen, der allen drei Regionen zugute kommt: Osttirol, dem Lesachtal und Sappada“, waren sich Werner Frömel von der Alpinplattform und Valerio Piller Roner vom Alpenverein Sappada bei der Präsentation gestern in Lienz einig. Piller Roner lobte die Osttiroler Partner: „Wir können viel lernen von eurer Erfahrung im Alpintourismus. Die Idee eines Europas der Regionen funktioniert. Vor 20 Jahren wäre so ein Projekt für uns als kleinen Verein unmöglich umzusetzen gewesen.“