Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Gesellschaft

Mehrheit der Österreicher sieht Pension pessimistisch

Österreicher haben bei Fragen des Älterwerdens wenig Vertrauen in die Politik. Sorgen um finanzielle Sicherheit und Wohnsituation.

© iStockphotoDie Österreicher sorgen sich um die finanzielle Absicherung in der Pension und um ihre Wohnsituation im Alter.



Wien – Viele Österreicher machen sich Sorgen, wie es um ihre finanzielle Lage in der Pension stehen wird. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) ist der Meinung, dass ihre Lebenssituation im Ruhestand einmal schlechter sein wird als die der Menschen, die heute in Pension sind. Nur wenige glauben, dass die Politik die richtigen Antworten auf eine älter werdende Gesellschaft parat hat. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Strategieanalyse (ISA) im Auftrag von Silver Living, dem laut eigenen Angaben heimischen Marktführer für frei finanzierten Wohnbau für Senioren.

Das Ergebnis sei insofern bedenklich für die Politik, weil „rund 45 Prozent der Wahlbevölkerung über 50 Jahre ist“, sagt ISA-Chef Peter Filzmaier. 18,7 Prozent sind aktuell älter als 65 Jahre. Im Jahr 2030 werden es bereits 23 Prozent sein.

54 Prozent der Österreicher, die noch nicht in Pension sind, machen sich bereits Gedanken über das Leben im Alter, zeigt die Silver-Living-Studie. „Somit beschäftigen sich auch viele Jüngere mit dem Älterwerden“, sagt Filzmaier. Mit 83 Prozent liegt dabei das Thema Gesundheit im Alter an erster Stelle. Dahinter folgt jedoch bereits die Frage: „Wie hoch wird meine Pension sein?“ (77 Prozent) sowie die Sorge um den Lebensstandard (74 Prozent), leistbare Pflege (73 Prozent) und die Wohnsituation im Alter (57 Prozent). „Die Mehrheit will in den eigenen vier Wänden leben“, sagt Filzmaier.

Kritisch sieht Filzmaier, dass sich weniger als die Hälfte der noch erwerbstätigen Österreicher (48 Prozent) gut über das Leben im Alter informiert fühlen. „Hier gibt es einerseits eine Bringschuld der Politik, aber auch eine Holschuld der Bürger“, sagt der Politologe. Das Leben im Alter sei häufig immer noch ein „Tabuthema“.

Politischen Institutionen wie Parteien, Regierung und Nationalrat wird von den meisten Österreichern (je unter 25 Prozent) wenig Vertrauen bei dem Thema entgegengebracht. Kompetenz wird der Arbeiterkammer und den Seniorenverbänden verortet. 72 Prozent sind zudem der Meinung, dass sich die Politik zu wenig um das Thema kümmert.

Handlungsbedarf sehen die Österreicher vor allem bei der Sicherung der Pensionen, der Schaffung von mehr Heim- und Pflegeplätzen sowie alternativen Wohnformen, der Aufklärung und der Bereitstellung von Pflegekräften. Zudem sind 88 Prozent der Meinung, dass die Politik sich mehr um die Sicherung des Auskommens im Alter und die Schaffung von geeignetem Wohnraum für Ältere (80 Prozent) kümmern soll.

Silver-Living-Chef Walter Eichinger fordert zudem steuerliche Erleichterungen für Unternehmen und rasche Entscheidungsabwicklung im Seniorenbereich. (ecke)