Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 25.11.2018


Tirol

„Viel Freude im Himmel“: Sozialbestattung in Innsbruck

Jedem Leben einen Platz geben, ist das Motto des Gemeinschaftsgrabes von „Bestattung und mehr“. Volksschüler haben die Urnenkartons verziert.

Sie wurden am Wiltener Friedhof beigesetzt.

© Michael KristenSie wurden am Wiltener Friedhof beigesetzt.



Von Alexandra Plank

Innsbruck — Es war eine stimmungsvolle Feier, die am Montag in der Totenkapelle des Wiltener Friedhofs stattgefunden hat. Zehn Menschen wurden begraben, die entweder keine Angehörigen haben, sich ein Begräbnis nicht leisten können oder eine eigene Grabstätte als Denkmal betrachten, das sie weder wollen noch brauchen.

Die Schüler gaben den Verstorbenen das letzte Geleit.
Die Schüler gaben den Verstorbenen das letzte Geleit.
- Michael Kristen

Die Kinder der 3A Praxisvolksschule der Pädagogischen Hochschule Tirol haben im Unterricht die Urnenkartons der Verstorbenen gestaltet, etwa mit Schmetterlingen und Vögeln, in jedem Fall aber fröhlich und glitzernd. Auch einige Angehörige sind zur Beisetzung gekommen. Für jeden einzelnen Verstorbenen wird eine Kerze entzündet und je ein Kind gibt einen guten Wunsch mit. „Viel Freude im Himmel" ist da mit Inbrust zu hören. Die Kinder haben zu den Menschen, die sie nie kennen gelernt haben, eine Beziehung aufgebaut, das wird schnell klar. Sie tragen die Urnenbehälter ganz vorsichtig und andächtig zum privaten Gemeinschaftsgrab.

„Liebe Verstorbene, wir haben euch nie gesehen, aber wir mögen euch", sagt eine Schülerin. Im Unterricht haben sich die Kinder mit dem Thema Tod beschäftigt. Christine Pernlochner-Kügler von „Bestattung und mehr" erklärt, dass die Anzahl der Menschen, die keinen Wert mehr auf eine eigene Grabstätte legen, steigt.

Seitens der Stadt gibt es ein Sammelgrab am Pradler Friedhof, hier werden sozial bedürftige Menschen beigesetzt, zudem gibt es ein Gemeinschaftsgrab für Kinder, die noch im Mutterleib oder knapp nach der Geburt verstorben sind. Am Westfriedhof besteht zudem ein „Grab der Einsamen", hier werden jene Menschen bestattet, die keine Angehörigen haben. In Österreich gilt grundsätzlich Bestattungspflicht, wenn die Kosten für die Beerdigung von Angehörigen oder aus dem Vermögen der verstorbenen Person nicht gedeckt werden können, findet eine „Sozialbestattung" statt. Die Kosten werden grundsätzlich vom Land beziehungsweise der Gemeinde bestritten.

Die Schüler der Praxisvolksschule der Pädagogischen Hochschule Tirol haben die Urnenbehälter schön gestaltet.
Die Schüler der Praxisvolksschule der Pädagogischen Hochschule Tirol haben die Urnenbehälter schön gestaltet.
- Michael Kristen

Wie die TT berichtete, kommt es von Jahr zu Jahr häufiger vor, dass die öffentliche Hand Begräbniskosten übernehmen muss (siehe unten). Begräbnisinstitute treten in Vorleistung und gestalten eine würdevolle Bestattung zum Sozialtarif.

Wichtig ist, dass jedem Verstorbenen ein Platz auf dem Friedhof, aber auch in den Herzen gegeben wird.

Sozialbestattungen

Übernahme Laut Land Tirol wurde vom 1. November 2017 bis zum 31. Oktober 2018 in Tirol in 73 Fällen die Kosten für eine Bestattung von der Bezirksverwaltung übernommen.

Neue Tarife Mit Ende des Jahres 2017 wurde seitens des Landes mit der Landesinnung der Bestatter ein neuer Tarif für soziale Bestattung vereinbart. Für Urnenbeisetzung ohne Verabschiedung bekommen die Bestatter 1500 Euro netto, ohne Kremation und Grabkosten. Für die Kremation wird mindestens 350 Euro netto verrechnet. Erdbestattung mit einfacher Aufbahrung schlägt mit 1584 Euro netto zu Buche, ohne Grabkosten.

Waschung Bei einer Bestattung nach muslimischem Ritus werden 250 Euro netto plus für die Waschung gewährt.

Innsbruck Rund 70.000 Euro gab alleine die Stadt Innsbruck in zwei Jahren (2015/16) für Sozialbestattungen aus – rund ein Drittel der vorgestreckten Kosten, knapp 24.000 Euro, konnte aus Verlassenschaften wieder zurückgeholt werden.