Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Bezirk Landeck

Kein Ticket: Schüler „flog“ aus dem Bus



Landeck, St. Anton – Empört reagierte eine Mutter aus St. Anton, weil ein ÖBB-Postbusfahrer ihrem elfjährigen Sohn an der Haltestelle Land­eck-Perjen die Mitfahrt verweigert haben soll. Der Bub hatte allerdings sein Ticket nicht bei sich. „Mein Sohn fährt jeden Tag mit dem Postbus von Landeck nach St. Anton Terminal Ost“, schildert die Mutter. „Am Mittwoch hatte er zum ersten Mal seine Busfahrkarte nicht dabei, sie war in einer anderen Jackentasche.“ Der Schüler sei dann „bei Minusgraden in Landeck an der Bushaltestelle gestanden“. Mit dem Handy rief er bei seinen Eltern an. „Mein berufstätiger Mann musste sich freinehmen, um unseren Buben von der Haltestelle abzuholen. Dort musste er eine Stunde warten“, so die Mutter. Sie fragt sich: „Was wäre gewesen, wenn ihm etwas passiert wäre?“ In St. Anton habe sie dann den Busfahrer angesprochen. „Er hat mein Anliegen mit einem Schulterzucken quittiert.“

In der Stellungnahme der ÖBB-Holding erklärte deren Sprecher Christoph Gasser-Mair gestern Freitag: „Wir bedauern, dass es zu einem Missverständnis bzw. Kommunikationsproblem gekommen ist.“ Jedoch sei im konkreten Fall, „unter Berücksichtigung der geltenden Vorschriften für die Personenbeförderung im Kraftfahrlinienverkehr, die für jeden Fahrgast gültig sind, kein Fehlverhalten unseres Mitarbeiters ableitbar“. Mit dem Lenker werde man trotzdem noch das Gespräch suchen.

Der Schüler habe keinen gültigen Fahrschein vorweisen können. „Der Lenker hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er einen Fahrschein lösen muss.“ Nachdem der Schüler das nicht gemacht hat, sei er aus dem Bus ausgestiegen. „Wir dürfen festhalten, dass unsere Lenker angehalten sind, die Fahrscheine in den Bussen zu kontrollieren“, hob der ÖBB-Sprecher hervor. Wenn kein Fahrschein vorgewiesen werden kann oder das Beförderungsentgelt nicht bezahlt wird, sei der Lenker berechtigt, den Fahrgast von der Beförderung auszuschließen.

„Aber oft ist es eine schwierige Situation für unsere Lenker, in der sie sensible Sachverhalte in kürzester Zeit abwägen müssen. Der Vorfall tut uns in jedem Fall sehr leid und wir werden solche Situationen in Zukunft anders lösen“, so Gasser-Mair. (hwe)