Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Teil 5

Die gute Geschichte: Von der Heimat und den Gründen, sie zu verlassen

Die Ausstellung „Migration(s)Hintergrund“ porträtiert Geflohene. Emad ist einer von ihnen. Und hat keine Heimat mehr, wie er sagt.

© Andreas AmplatzEmad ist Kurde und floh vor vier Jahren vor dem Syrienkrieg.



Innsbruck – Es gibt viele Begriffe, die einem durch den Kopf gehen, wenn man an Migration denkt, und die damit verbunden sind. Einer davon ist Heimat. Mit diesem Begriff befasst sich die Ausstellung „Migration(s)Hintergrund“. Über Porträtfotos, gepaart mit kurzen Aussagen, werden Menschen und ihre Migrationsgeschichten vorgestellt.

Emad ist einer von ihnen. Und hat keine Heimat mehr, wie er sagt. Der Mann ist vor vier Jahren vor dem Krieg in Syrien geflohen. Emad ist Kurde – in Syrien geboren und aufgewachsen. Und er hatte es nicht leicht, schon vor dem Krieg nicht. Er durfte zum Beispiel seine Muttersprache Kurdisch nicht in der Schule sprechen. Als sich der Konflikt in Syrien immer mehr zum andauernden Bürgerkrieg entwickelte, beschloss Emad, sich auf den Weg zu machen – wie viele andere auch. Seine Flucht führte ihn schlussendlich nach Österreich.

Nach einiger Wartezeit bekam er einen positiven Asylstatus, konnte so auch seine Frau nach Tirol nachholen. Heute lebt Emad mit seiner Frau und dem einjährigen Sohn Jan in Jenbach. Und will unbedingt wieder arbeiten, seine Familie versorgen, seinem Sohn ein Vorbild sein, ihm das Gefühl von Heimat geben. Emad hat als Konditor gearbeitet, aber seine Ausbildung wird in Österreich nicht anerkannt.

Ihm wurde ein Bein amputiert, bereits vor dem Krieg. Mit seiner Prothese kann er nicht den ganzen Tag stehen. Deshalb hat Emad sich entschlossen, beim Roten Kreuz ein Integrationsjahr zu absolvieren, um besser Deutsch zu lernen und sich zu orientieren. „Er hat nie aufgegeben, ist immer fröhlich, aktiv und für jeden Spaß zu haben“, sagt Doris Olumba, Mitarbeiterin beim Tiroler Roten Kreuz und dort Leiterin des Bereichs Flucht und Migration. Wer Emad kenne, wisse, dass er viel lächelt, auch wenn er über seine schlimmen Erfahrungen spricht, im Krieg und davor sowie auf der Flucht.

Das Integrationsjahr beendet er im Jänner. „Er ist jetzt schon fleißig auf Arbeitssuche. Er möchte, dass sein Sohn Jan eine schöne Kindheit, eine gute Zukunft hat“, berichtet Olumba.

Die Ausstellung war bereits am Langen Tag der Flucht Ende September an verschiedenen Standorten in Innsbruck zu sehen. Auf die Beine gestellt wurde sie vom Roten Kreuz, dem Land Tirol, der Stadt Innsbruck, dem BFI, dem Haus der Begegnung und dem Fotografen Andreas Amplatz. Ab 10. Dezember ist sie ein weiteres Mal in Innsbruck, diesmal in der Stadtbibliothek, zu sehen. Im Anschluss wird sie durch die verschiedenen Tiroler Bezirke touren. Informationen über Termine und Stationen findet man auf der Website www.vielfalt.tirol. (TT)