Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Teil 7

Die Gute Geschichte: Mit Zeit auch Freude schenken

Zwei Stunden pro Woche verbrachten die Schüler Moritz Heiser und Paul Köfler im Wohnheim Lohbach in Innsbruck. Aus Gesprächen entstand ein „virtueller Lebenslauf“.

© Wohnheim Lohbach ISDViel zu lachen gab es, wenn Paul Köfler (links) und Moritz Heiser die Heimbewohner besuchten.



Innsbruck – Moritz Heiser und Paul Köfler besuchen beide das Akademische Gymnasium Innsbruck und haben sich bereits bei mehreren sozialen Projekten engagiert. Von November bis Mai stellten sie sich im Rahmen von „Zeit schenken“, einem Projekt des Tiroler Freiwilligenzentrums und der youngCaritas, einer neuen Herausforderung. Anstatt Freunde zu treffen oder anderen Hobbys nachzugehen, schenkten sie wöchentlich neben einem vollen Stundenplan zwei Stunden ihrer Freizeit den Bewohnern im Wohnheim Lohbach in Innsbruck.

Die beiden haben mit den Bewohnern einen so genannten „virtuellen Lebenslauf“ gestaltet. Heißt: In Gesprächen wurden Erinnerungen und Ereignisse erarbeitet, die alle miteinander verbinden – zum Beispiel Weihnachten, die Schulzeit, die Geburt oder das Leben im Wohnheim. Jeden Freitagnachmittag nutzten Köfler und Heiser dazu, mehr über die Lebensgeschichte von fünfzehn Männern und Frauen zu erfahren. Am Ende wurden 17 Ereignisse und zu jedem Ereignis symbolisch ein Bild ausgesucht und abschließend auf einer Pinnwand aufgehängt. Jeder, der dort vorbeigeht und die Bilder betrachtet, soll sich im Lebenslauf wiederfinden und die eigenen Erlebnisse darin interpretieren können.

Neben den Geschichten konnten die Schüler auch für sich selbst viel mitnehmen. „Das Altenheim habe ich immer mit dem Tod verbunden, doch es steckt viel mehr Leben in diesem Haus, als ich anfangs gedacht habe“, sagt Köfler. „Ich konnte sehr viel von der älteren Generation lernen, zum Beispiel, dass man im Leben auch bei schweren Schicksalsschlägen nicht aufgeben soll.“ Sein Kollege Moritz Heiser schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir haben sehr viel über die Geschichte und das Leben der Menschen gelernt. Die Welt ist heute beispielsweise schnelllebiger – früher haben sich die Leute mehr Zeit genommen, den Moment zu genießen. Wir wissen jetzt außerdem, dass den Bewohnern im Altenheim sehr viele Aktivitäten angeboten und auch neue Freundschaften geknüpft werden und vor allem, dass es nicht so langweilig dort ist, wie man es sich oft vorstellt.“

Claudia Mitterschiffthaler, Ergotherapeutin im Wohnheim Lohbach, hat die engagierten Jugendlichen begleitet und war von deren Einsatz begeistert: „Beide haben eigenständig gearbeitet und ihre Ideen eingebracht. Es ist sehr wertvoll, wenn junge Menschen sich mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern austauschen. Das Verständnis füreinander wächst und gibt neue Impulse.“

Nach dem Engagement im Wohnheim Lohbach arbeitete Paul Köfler den Somme­r über in einem Kindergarten. Er und Heiser wollen sich auch künfti­g sozial engagieren. Beim österreichweiten Projekt „72 Stunden ohne Kompromis­s“ wollen die beide­n ein weiteres Mal schenken und mit ihre­m Engagemen­t Gutes tun. (TT)