Letztes Update am Mo, 10.12.2018 13:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburg

Nikolaus sorgte mit rassistischer Rede in Bad Gastein für Empörung

Ein Nikolaus hielt in Bad Gastein eine rassistische Rede auf “Türkisch-Deutsch-Dialekt“. Das Publikum lachte. Im Internet hingegen löste der Clip Empörung aus. Der Mann hinter dem Kostüm versteht die Aufregung nicht.

Ein Video einer Nikolaus-Rede in Bad Gastein macht derzeit in sozialen Medien die Runde. (Screenshot)

© facebook.com/Mete.Tarik1Ein Video einer Nikolaus-Rede in Bad Gastein macht derzeit in sozialen Medien die Runde. (Screenshot)



Bad Gastein — Ein Video einer rassistischen Nikolaus-Rede in Bad Gastein sorgt derzeit in sozialen Medien für Empörung. Der Nikolaus im Clip hält einen Monolog auf „Türkisch-Deutsch-Dialekt" (so bezeichnet er es selbst) und spart darin nicht an fremdenfeindlichen Vorverurteilungen und Klischees.

„Ich bin ein Türkisch-Mann. Viele Mitbürger sind ja ebenfalls aus diesem Gebiet. Darum ist es mein Anliegen, dass auch diese Menschen an unserem schönen Brauchtum teilhaben. Ich möchte einen Beitrag zur Integration leisten und zur Völkerverständigung. Und ich möchte daher meine heutige Nikolauspredigt auf Deutsch-Türkisch-Dialekt halten", sagt Christian Oberthaler, der Mann hinter dem Kostüm, ins Mikrofon. Das klingt zwar eigenartig, aber zunächst noch eher harmlos. Das, was dann kommt, hat es allerdings in sich:

„Hallo Achmed, Erkan, Ayse, Elif und auch Fatima. Was guckst du denn so deppert? Der Nikolaus ist heute da. Hab ich Vollbart, hab ich Halbmond, hab ich krasses Outfit an. Komm ich ganz konkret aus Myra, bin ich echte Türkisch-Mann. Sprechta ich nix gute Deitsche, ja das tut mich wirklich leid. Ey, was soll ich sagen, Alter. Türkisch kann ich auch nix gscheid."

Tiefer Griff in die Klischeekiste kommt beim Publikum an

In der etwas über zwei Minuten langen Rede greift der Nikolaus dann tief in die Türken-Klischeekiste und spricht über BMW, Döner, Ehrenmord und Erdogan. Ziel der Rede ist offenbar, sich über die türkische Gemeinde lustig zu machen. Beim Publikum scheint das jedenfalls anzukommen. Das Gelächter auf dem Video spricht für sich.

Ganz anders fielen die Reaktionen auf das Video in sozialen Medien aus. Der Salzburger Landtagsabgeordnete Tarik Mete teilte den Clip, den er von einem Besucher des Nikolausumzuges bekommen hatte, auf seiner Facebook-Seite. Von dort verbreitete sich das Video wie ein Lauffeuer. Bisher wurde es über 41.000 Mal angesehen und 555 Mal geteilt (Stand Montag, 13 Uhr).

Hunderte Nutzer kommentierten den Beitrag und machten ihrem Unmut Luft. „Ich bin fassungslos, mir fehlen die Worte. Die Leute lachen und tolerieren das? Sind denn alle blind?" schreibt beispielsweise eine Userin. „Was für ein Missbrauch von unserem schönen Nikolaus", so eine andere Nutzerin.

Der Nikolaus selbst versteht die Aufregung nicht — mit Rassismus habe das nichts zu tun. „Da wird halt alles durch den Kakao gezogen: Kärntner, Vorarlberger, Feuerwehrler, Musikanten", wird Christian Oberthaler von den Salzburger Nachrichten zitiert. (TT.com)