Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 20.12.2018


Teil 20

Die Gute Geschichte: „Ende eines schweren Wegs“

Ahmed floh vor drei Jahren vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Das Rote Kreuz half ihm beim Lernen für die Schule und dabei, eine Wohnung für ihn und seine Familie zu finden.

Luisa hilft Ahmed beim Lernen für die anstehenden Prüfungen im PORG Volders.

© Rotes Kreuz/OlumbaLuisa hilft Ahmed beim Lernen für die anstehenden Prüfungen im PORG Volders.



Volders, Innsbruck – Vor über drei Jahren floh Ahmed aus seiner Heimat in Syrien. Inzwischen ist er in Tirol angekommen. Dabei geholfen haben ihm Mitarbeiter des Tiroler Roten Kreuzes.

Zwei junge Menschen sitzen miteinander am Tisch und lernen für die nächste Deutsch-Schularbeit. Zwischendurch trinken sie einen Kaffee und plaudern, machen Witze, lachen viel. Eine ganz alltägliche Situation, gerade vor den Weihnachtsferien, wo im PORG Volders eine Schularbeit auf die andere folgt.

Am Tisch sitzen Ahmed und Luisa, zwei motivierte junge Menschen, die voller Tatendrang an ihrer Zukunft arbeiten. Sie scheinen sich seit Jahren zu kennen. Wer mit Ahmed spricht, kommt nicht auf die Idee, dass er erst seit drei Jahren in Österreich ist – er spricht fließend Deutsch, mit Tiroler Einschlag. Er ist in Syrien geboren. In einem Land, wo er und seine Familie im Krieg keine Zukunft mehr hatten. Junge Männer haben es dort schwer, sie sollen kämpfen. „Und was ist, wenn sie das auf keinen Fall wollen, kämpfen, gezwungen sein, Menschen zu verletzen oder gar zu töten?“, fragt sich Doris Olumba, Leiterin der Abteilung Flucht und Migration im Tiroler Roten Kreuz. „Wenn sie wie Ahmed in die Schule gehen wollen, vielleicht studieren? Auf jeden Fall etwas lernen, einen Beruf erlangen, ihre Zukunft selbst gestalten? Diese Chance hatte Ahmed in seinem Heimatland nicht mehr.“

Deshalb hat er sich alleine auf den Weg gemacht, als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in eine ungewisse Zukunft. „Es ist schön, Ahmed und Luisa beim gemeinsamen Lernen zuzusehen“, berichtet Olumba. „Ahmed hat es geschafft. Er ist nach Tirol gekommen, er wurde in einer Einrichtung für Jugendliche und Kinder untergebracht, die nicht bei ihren Eltern leben können. Er hat Deutsch gelernt, hart gearbeitet für seine Zukunft, geduldig gewartet, bis die Chance kam, seine Familie nachzuholen, bis er wusste, dass er in Tirol bleiben darf“, sagt sie.

Bei seinen Zielen sei Ahmed unterstützt worden, vor allem von seinen Betreuern in der Einrichtung, weiß Olumba. Einer davon ist Luisas Vater – er sah, wie fleißig Ahmed lernte, wie motiviert er war. Er organisierte für Ahmed einen Schulplatz im PORG Volders, an dem seine eigene Tochter Luisa die Matura gemacht hat. Er erzählte ihr zu Hause über Ahmed und dass er Unterstützung gebrauchen beim Lernen könnte, um regulär in die Schule aufgenommen zu werden. Luisa, die gerade ihr freiwilliges Soziales Jahr beim Roten Kreuz im Bereich Flucht und Migration absolviert, sagte sofort zu, Ahmed zu unterstützen.

Luisas Vater war es auch, der Ahmed dabei unterstützte, seine Familie nachzuholen. „Nach langer Wartezeit gelang es. Die Familie ist da. Endlich kann Ahmed auch wieder seine Eltern und seine Geschwister in die Arme schließen“, freut sich Olumba.

Kurz vor dem Schulstart gelang es der Familie, eine gemeinsame Wohnung in Innsbruck zur Verfügung zu stellen, über das Rotkreuz-Projekt „Shakan“ – welches ehemals unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterstützt, Wohnraum zu finden. „So lernte ich Ahmed und die Familie kennen“, sagt Doris Olumba. „Am Ende eines schwierigen Weges und am Anfang in eine neue gemeinsame Zukunft hier in Tirol.“ (TT)