Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.12.2018


Exklusiv

Sexualkunde bereits ab der Volksschule

An Österreichs Schulen beginnt der Aufklärungsunterricht schon im Volksschulalter. Der Verein Teenstar ist in Tirol nicht aktiv.

Der "Grundsatzerlass Sexualpädagogik" aus dem Jahr 2015 legt die entsprechenden Lehrinhalte für Österreichs Schulen fest.

© APADer "Grundsatzerlass Sexualpädagogik" aus dem Jahr 2015 legt die entsprechenden Lehrinhalte für Österreichs Schulen fest.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Wie wichtig die Vermittlung von Wissen rund um das Thema Sexualität ist, zeigte jüngst ein Fall an einer Tiroler Schule – siehe Kasten unten. Tatsächlich gibt es einen „Grundsatzerlass Sexualpädagogik“, in dem das Bildungsministerium für Österreichs Schulen Lehrinhalte und Lehrziele festlegt. Demzufolge beginnt Sexualpädagogik in der Schule mit dem Schuleintritt und endet mit dem Austritt aus dem Schulbereich.

Sexualpädagogische Schwerpunktsetzungen sind in den unterschiedlichsten Pflichtfächern der verschiedenen Schulformen verankert – in der Volksschule etwa im Sachunterricht, später in Biologie und Umweltkunde, Religion, Psychologie und Philosophie. Laut Grundsatzerlass müssen die Alltagserfahrungen der Schülerinnen und Schüler Ausgangspunkt für die Umsetzung des Unterrichtsprinzips „Sexualpädagogik“ sein und in enger und guter Zusammenarbeit mit Eltern und Erziehungsberechtigten altersgerecht vermittelt werden.

Zudem können externe Experten für den Sexualunterricht hinzugezogen werden, allerdings muss dabei auch immer eine Lehrperson in der Klasse anwesend sein, heißt es seitens der Bildungsdirektion Tirol. Für Schlagzeilen hatte in diesem Zusammenhang vor einigen Wochen der christliche Sexualkundeverein Teenstar gesorgt, der in seinen Unterrichtsunterlagen unter anderem Masturbation als schädlich bezeichnete und Sex vor der Ehe ablehnte. Der Verein war an zahlreichen österreichischen Schulen aktiv. In Tirol hingegen konnte Teenstar laut Bildungsdirektion nicht Fuß fassen. Eine Erhebung im Sommer 2018 hatte ergeben, dass keine Aktivitäten des Vereines hierzulande bekannt sind. Inzwischen habe es eine entsprechende Sensibilisierung an den Schulen gegeben, und über die Schulaufsicht wurde eine Rückmeldung von den Schulen eingefordert, sollte der Verein an sie herantreten. Die Bildungsdirektion Tirol rät Schulen dringend davon ab, das Angebot aufzugreifen.

Weihnachtsfriede statt Streit

Innsbruck — Der sexuelle Kontakt zwischen einem Zwölfjährigen und einer 13-jährigen Schulfreundin wird jetzt offenbar doch kein Fall fürs Zivilgericht. Wie die Anwälte der Schüler (und deren Eltern) am Freitag mitteilten, sei eine Einigung in Sicht. Wie berichtet, hat die Kinderzimmer-Affäre für Wirbel gesorgt. Obwohl strafunmündig, wurde der zwölfjährige Innsbrucker angezeigt und von der Polizei befragt. Die Mutter des Mädchens und ihr Anwalt Hermann Holzmann forderten zunächst sogar seine Schulsuspendierung und 5000 Euro Schmerzensgeld. Schnee von gestern: „Wir wollen die Kirche im Dorf lassen und schauen, dass sich die beiden Kinder wieder vertragen und sich in die Augen schauen können", sagt Holzmann. Beate Köll-Kirchmeyr, Schwazer Anwältin des Zwölfjährigen , konkretisiert, dass die Schüler das sexuelle Erlebnis mit Psychologen-Hilfe aufarbeiten werden. Das Ziel sei, dass die beiden wieder normal miteinander umgehen und an der Schule bleiben können. (tom)