Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.12.2018


Exklusiv

Naturgewalten, Terror, Armut: Was den Tirolern 2019 Sorgen bereitet

Laut TT-Umfrage sinkt die Angst vor Terror und religiösen Fanatikern. Als guten Vorsatz haben sich die meisten vorgenommen, mehr zu sporteln.

Ein gewaltiger Felssturz ging an Heiligabend 2017 in Vals ab. Wie durch ein Wunder wurde damals niemand verletzt.

© Michael KristenEin gewaltiger Felssturz ging an Heiligabend 2017 in Vals ab. Wie durch ein Wunder wurde damals niemand verletzt.



Von Benedikt Mair

Innsbruck — Während weltweit vielfach Terrorismus und religiöser Fanatismus auch im Jahr 2018 das Geschehen bestimmten — jüngst etwa der Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg — und die politischen Debatten vielerorts beeinflussten, wurde das auslaufende Jahr in Tirol vor allem von gewaltigen Naturkatastrophen geprägt. Beispielhaft dafür stehen der Felssturz von Vals an Heiligabend 2017 mit seinen Folgen, im Arlberggebiet sorgte Anfang August ein Unwetter für schwere Schäden und erst vor wenigen Wochen suchten starke Regenfälle und gewaltige Windböen besonders Osttirol heim.

Diese Ereignisse schlagen sich auch im Sicherheitsgefühl der Tirolerinnen und Tiroler nieder. Wie die TT-Jahresumfrage zeigt, fürchten sich mehr als zwei Drittel davor, dass sie in Zukunft von Naturgewalten betroffen sein werden — 17 Prozent der Befragten haben große Sorge, 48 Prozent etwas Sorge. Das sind insgesamt zehn Prozent mehr als bei der Befragung Ende des Jahres 2017.

Subjektives Sicherheitsgefühl kaum getrübt

Deutlich zurückgegangen ist hingegen die Angst vor Radikalisierung durch Glaubensfanatiker und vor Terroranschlägen. Vor Ersterem haben 27 Prozent große Sorge, 38 Prozent etwas Sorge — zusammengerechnet ein Minus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als noch 70 Prozent. Knapp ein Drittel lässt das kalt. Vor Anschlägen fürchten sich insgesamt 51 Prozent (13 Prozent große Sorge, 38 Prozent etwas Sorge) der Teilnehmer an der Umfrage, was einen Rückgang um sechs Prozent bedeutet.

Kurios: Während Terror, Radikalisierung und Naturkatastrophen viel Angst verbreiten, ergibt die Umfrage, dass das subjektive Sicherheitsgefühl der Befragten kaum getrübt ist. Nur fünf Prozent blicken in diesem Bereich mit großer Sorge in die Zukunft, 24 Prozent sorgen sich etwas. Die überwiegende Mehrheit blickt diesbezüglich hingegen völlig sorglos auf die kommenden Wochen und Monate.

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Weitere vom Meinungsforschungsinstitut „Research Affairs" abgefragte Punkte waren etwa der anhaltende Flüchtlingsstrom (61 Prozent haben diesbezüglich große oder etwas Sorge), die Sicherheit der Rente (ebenfalls 61 Prozent) oder die Zukunft für die eigenen Kinder (53 Prozent sorgen sich etwas oder sehr, dass diese gefährdet sein könnte).

Immer mehr machen sich Vorsätze

Bahnen sich am Beginn eines neuen Jahres ob der Ungewissheit oft Zukunftsängste an, bieten Silvesterabend und Neujahrstag nicht selten auch die Gelegenheit, gute Vorsätze zu formulieren. Und das machen immer mehr. In den letzten vier Jahren stieg die Zahl jener, die bei der Jahresumfrage der Tiroler Tageszeitung angaben, sich etwas für die anstehende Zeit fest vorgenommen zu haben, um fast zehn Prozent an: Während im Jahr 2015 noch 35 Prozent einen guten Vorsatz formulierten, waren es heuer bereits 44 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 42 Prozent.

An der Spitze der guten Vorsätze stehen — wie schon zu Beginn der vorangegangenen Perioden — Aktivitäten im Hinblick auf die körperliche Verfassung. Aber die Zahl jener, die sich diese Vorsätze gemacht haben, steigt an. Wichtig: Bei diesem Teil der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

Von den Befragten wollen 52 Prozent mehr Sport treiben (2017: 45 Prozent), 45 Prozent haben sich vorgenommen, einige Kilogramm abzunehmen (2017: 42 Prozent) und 42 Prozent wollen mehr auf ihre Ernährung achten bzw. sich gesünder ernähren (2017: 40 Prozent).

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Weniger Social Media

Erstmals wurde abgefragt, ob zum Vorsatz gemacht wurde, weniger Zeit auf Facebook, Instagram, Twitter und Co. zu verbringen. Erstaunlich: Gleich auf Anhieb gaben 15 Prozent der Tiroler an, den so genannten sozialen Medien öfters die kalte Schulter zu zeigen und sich mehr mit der analogen Welt zu beschäftigen.

Um sechs Prozent stieg auch die Zahl jener an, die angaben, dass sie ihre Freizeit sinnvoller gestalten wollen (2017: 29 Prozent; 2018: 35 Prozent). Passend zum optimistischen Blick auf die finanzielle Situation im kommenden Jahr sinkt die Zahl jener, die sich vorgenommen haben, weniger Geld auszugeben — zwar nur gering, aber immerhin. Im Jahr 2017 hatten noch 35 Prozent angegeben, dass das neue Jahr sparsamer angegangen werden soll, heuer waren es nur noch 34 Prozent der Befragen.