Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.01.2019


Exklusiv

Konflikte auf Innsbrucker Nordkette: „Freizeitsportler werden radikaler“

Immer wieder kommt es auf der Innsbrucker Nordkette zu Nutzungs­konflikten. Dass die Skiabfahrt offiziell gesperrt ist, wird dabei oft ignoriert.

Das Forstamt versucht über Beschilderung Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Wintersportlern zu verhindern.

© DaumDas Forstamt versucht über Beschilderung Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Wintersportlern zu verhindern.



Von Denise Daum

Innsbruck – Aufsteigende Tourengeher und Wanderer, abfahrende Skifahrer und Snowboarder, zwischendurch vereinzelte Rodler und Zipfelbobfahrer: zu viel für die ehemalige schmale Talabfahrt auf der Nordkette Richtung Hungerburg. In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu brenzligen Situationen, die nicht selten von heftigen Schimpftiraden der Freizeitsportler begleitet werden. Viele Ausflügler berichten von verbalen Angriffen. Auch auf den Almen beim Einkehrschwung gibt es unter den Gästen vielfach nur ein Thema: die rücksichtslosen Skifahrer/Tourengeher/Wanderer/Freerider – je nach Standpunkt.

Sportler auf der Nordkette freuen nicht jeden.
Sportler auf der Nordkette freuen nicht jeden.
- Daum

Für Andreas Wildauer vom Innsbrucker Forstamt „leide­r“ nichts Neues. „Gerade auf der Nordkette kommt es zu Nutzungskonflikte­n. Im Sommer mit den Mountainbikern und Downhillern, im Winter eben mit Skifahrern und Tourengehern.“ Und diese Konflikte würden sich immer mehr zuspitzen. „Viele halten es mit Christian Kern: ,Hol dir, was dir zusteht.‘ Dabei werden die Freizeitsportler immer radikaler“, konstatiert Wildauer eine gewisse „Selbstbedienungsmentalität“ am Berg. Dabei sei, so ist der Leiter des Forstamts überzeugt, auf der Nordkette genügend Platz für alle da – nur halt nicht überall für jeden. Bei Skibetrieb beispielsweise müssten die Wanderer, die von der Hungerburg auf die Umbrüggler Alm wollen, eben den Forstweg benutzen. Eine entsprechende Beschilderung wurde auch angebracht. Leider wird das vielfach ignoriert.

Wildauer will aber nicht aufgeben: „Wir werden die Beschilderung noch ausweiten und grelle Farben verwenden. Zudem bitten wir die Wirte, ihre Gäste darauf hinzuweisen, die entsprechenden Forstwege zu benutzen“, sagt Wildauer. Ab Ende Jänner soll zudem eine Handy-App zur Besucherlenkung verfügbar sein.

Zu alledem kommt, dass die Skiabfahrt bis zur Hungerburg eigentlich gar nicht offiziell benutzt werden dürfte. Die Verträge mit den Grundbesitzern sind bereits vergangene Saison ausgelaufen, die Nordkettenbahnen konnten bislang keine Einigung erzielen. „Wir sind dran und hoffen, bis zur kommenden Wintersaison die Zustimmung der Eigentümer zu erhalten“, erklärt Thomas Schroll, Geschäftsführer der Nordkettenbahnen. Bis dahin bleiben die Talabfahrten offiziell gesperrt. Das werde aber vielfach ignoriert. „Da können wir nichts machen“, erklärt Schroll. An ihn würden keine Berichte über Nutzungskonflikte herangetragen. Das sei Thema der Stadt Innsbruck.

Gestern war es im Übrigen ruhiger: Aufgrund der massiven Neuschneemengen blieb das Gebiet Nordkette für Skifahrer und Fußgänger gesperrt.

Der Neuschnee zieht viele Wintersportler auf die Nordkette – da kann es schon mal eng werden.
Der Neuschnee zieht viele Wintersportler auf die Nordkette – da kann es schon mal eng werden.
- Daum