Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Bezirk Imst

Am Pitztaler Gletscher liegt das Igludorf vorerst auf Eis

Naturschutzrechtlich blitzte der Umweltanwalt mit seinem Einspruch ab. Die Betreiber wollen es nächstes Jahr erneut versuchen.

„15 Iglus bieten Platz für maximal 50 Übernachtungsgäste – fernab von allem. Tagsüber blickt man auf rund 50 Dreitausender und in der Nacht auf unzählige Sterne am Himmel“, heißt es in der Bewerbung.

© Vortex Events„15 Iglus bieten Platz für maximal 50 Übernachtungsgäste – fernab von allem. Tagsüber blickt man auf rund 50 Dreitausender und in der Nacht auf unzählige Sterne am Himmel“, heißt es in der Bewerbung.



Von Alexander Paschinger

St. Leonhard i. P. –Das Pitztal in Tirol gilt als eines der schönsten und wildesten Seitentäler der Ostalpen. Urlauber und Ausflügler lieben die abgeschiedene Bergwelt für ihr umfassendes Freizeitangebot – auch jenseits der Skipisten. Jetzt erhält die beliebte Destination ein weiteres, wortwörtliches Highlight: das GletscherDorf. Erbaut aus Schnee und Eis. Auf dem Pitztaler Gletscher, dem Dach Tirols. Ab Dezember 2018 öffnet es die Pforten.“ So hatte die Tirol Werbung das Igludorf im Sommer angepriesen. Allein, es wurde nichts aus den Plänen: Der Tiroler Umweltanwalt hatte einen Einspruch gegen den positiven Naturschutzrechtlichen Bescheid der BH Imst eingelegt. Die Beschwerde wurde zwar abgewiesen, für die Betreiber, die Vortex Events aus dem Allgäu, bedeutete das aber die Verzögerung um mindestens ein Jahr.

„Wir wehren uns nicht gegen ein Igludorf an sich, das schmilzt ja wieder weg“, erklärt Umweltanwalt Johannes Kostenzer seinen Einspruch. Er sieht den Standort problematisch, nämlich ein Gletschervorfeld, das nach dem Tiroler Naturschutzgesetz besonders unter Schutz stehe. „Es geht darum, dass Sanitäranlagen und Sauna verlegte Rohre brauchen würden – und das geht unserer Meinung nach nicht.“ Hätten sich die Betreiber früher mit der Umweltanwaltschaft auseinandergesetzt, hätte man diese Punkte ausräumen können.

Diese Bedenken wurden jedoch von der Imster Umweltabteilung und letztlich dem Landesverwaltungsgericht nicht geteilt. Insgesamt drei Umweltgutachten orteten naturschutzrechtlich keine Probleme.

„Das Projekt betrifft auch nicht den Gletscher und an dieser Stelle wurde auch immer wieder umgegraben, das Gelände ist ja in direkter Nähe zur Bergstation des Gletscherexpress“, meint auch der Bürgermeister von St. Leonhard, Elmar Haid.

Kostenzer nimmt das zur Kenntnis, verweist jedoch auch auf eine Einschätzung der Abteilung Raumordnung, welche die Situierung „eines Beherbergungsbetriebes am Gletscher als rechtlich nicht möglich beurteilt“.

Dem hält der Bürgermeister entgegen: „Wir haben als Gemeinderat einen vorübergehenden Bestand genehmigt, da braucht es keine Widmung. Das gilt für fünf Jahre.“ Es gehe um 15 Iglus mit 50 Schlafplätzen und zwei Containern – „wir sehen das als Bereicherung für den Tourismus“.

Ingo Oswald, Geschäftsführer der Vortex Events, betont schriftlich, „dass die erforderlichen Bewilligungen (Gewerbe, Umwelt und Bau) von den jeweiligen Behörden vorliegen. Die umweltrechtlichen Aspekte wurden dabei mit der bewilligenden Behörde, der BH Imst, abgestimmt.“ Er habe versucht, mit der Umweltanwaltschaft Kontakt aufzunehmen, habe aber keinen Rückruf erhalten – „was eher den Eindruck vermittelt, man wolle das Projekt verhindern statt unterstützen“. Oswald bleibt vom Erfolg überzeugt und glaubt an das Igludorf in der nächsten Wintersaison.