Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.01.2019


Bezirk Imst

Silzer Dreikönigsspiel: Die Illusion der Echtzeit

Das Silzer Dreikönigsspiel zog am Premierentag die Besucher in den Bann rund um das Geschehen um Christi Geburt.

Die „wahrscheinlich größte Krippe der Welt“ ist heute (18 Uhr) zum letzten Mal erlebbar.

© SchröderDie „wahrscheinlich größte Krippe der Welt“ ist heute (18 Uhr) zum letzten Mal erlebbar.



Von Hubert Daum

Silz —Der Himmel schien am Freitagabend über Silz heller als jener rundherum, als ob über der Wolkendecke ein Komet ein Ereignis kundtun wollte - wie es im Lukas- und Matthäusevangelium geschrieben steht. Denn auch in Silz standen die Heiligen Dreikönige im Mittelpunkt: Das sechste „Silzer Dreikönigsspiel" zog am Premierenabend rund 500 Besucher aus aller Herrenländer an. Sicher nicht nur Gläubige - allerdings glaubten auch die am Ende des Freiluftspektakels an eines: an eine grandiose Leistung und eine Sternstunde des 2500 Einwohner zählenden Dorfes.

König Balthasar durchschaut die List des Herodes, der alle Kinder töten will.
König Balthasar durchschaut die List des Herodes, der alle Kinder töten will.
- Schröder

„Wir haben recherchiert, hier steht wahrscheinlich die größte Krippe der Welt", glaubt Neo-Obmann Lukas Kocher, fasziniert vom Engagement eines ganzen Dorfes. 120 Laiendarsteller feilen seit Dezember am bewegten und bewegenden Schauspiel, das auf Grund der Authentizität die Illusion vermittelt, Teil des Geschehens um Christi Geburt zu sein. Die Kostümvielfalt, echte Tiere wie Schafe, Esel, Hühner und die majestätischen schwarzen Pferde, die auf ihrem Rücken die Könige tragen und sogar ein Kamel.

Die Kirchenglocken waren ein untrügliches Zeichen — Anspannung bei den 120 Akteuren, das Schauspiel kann beginnen. Der Marktplatz in Jerusalem: belebt, voll von Menschen, die quirlig ihrer Arbeit nachgehen. Marktverkäuferinnen, Gaukler, Bettler, Feuerspucker, Bauchtänzerinnen, Straßenmusiker, Palastwächter. Die Volkszählung, dann das erste Erscheinen von Maria und Josef, die Herberge suchen und hoch zu Ross und Kamel Kaspar, Melchior und Balthasar, die die Kunde des neu geborenen Königs vernahmen und dem Komet folgten. Dem Herrscher Herodes gefiel diese Kunde nicht und er traf lautstark die Entscheidung: „Alle Kinder sollen sterben". Unterstützt von Feuerfontänen, Lichspiel und akustischem Paukenschlag zuckt das Publikum zusammen. Und erleichtert, als letztendlich die Römer die Waffen niederlegen und auch sie dem Kind huldigen, als der Chor der Engel das Auffinden des Jesukindes frohlockte.

Die graziöse Bauchtänzerin ist ein Blickfang.
Die graziöse Bauchtänzerin ist ein Blickfang.
- Schröder

Eine grandiose, multimediale Inszenierung des Regisseures Emanuel Bachnetzer, der bereits zum vierten Mal für die Dramaturgie verantwortlich zeichnet. In einer Nebenrolle ein stolzer Pepi Sonnweber, der Ideengeber und Autor des Silzer Dreikönigsspieles, das 2004 uraufgeführt wurde: „Ich bin jedesmal wieder fasziniert, wie alle Bewohner verschiedener Schichten an einem Strang ziehen".

Mit minutenlangem Applaus wurden die Darsteller vom Kind bis zum Greis belohnt. Heute um 18 Uhr bietet sich die letzte Chance, das ergreifende Spiel mitzuerleben.

Die Feuerspeier unterstreichen diese Kunde.
Die Feuerspeier unterstreichen diese Kunde.
- Schröder



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