Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Innsbruck

Berührende Erinnerungen an Bischof Reinhold Stecher

In einem neuen Buch denken Weggefährten an prägende Begegnungen mit dem Geistlichen zurück – die vor allem auch Stechers Humor zeigen.

Projektleiter Christian Rosenkranz (l.) und Obmann-Stv. Elfriede Moser (r.) vom Verein „Quo Vadis“ freuen sich ebenso wie die vielen Gastautoren – im Bild die Künstlerin Luise Hirsch und Pfarrer Herbert Traxl – auf das neue Buch.

© DomanigProjektleiter Christian Rosenkranz (l.) und Obmann-Stv. Elfriede Moser (r.) vom Verein „Quo Vadis“ freuen sich ebenso wie die vielen Gastautoren – im Bild die Künstlerin Luise Hirsch und Pfarrer Herbert Traxl – auf das neue Buch.



Von Michael Domanig

Innsbruck – Ob als Intellektueller, Seelsorger, Künstler, Bergsteiger oder einfach als Passant auf der Straße: Bischof Reinhold Stecher hat in persönlichen Begegnungen bei vielen Menschen nachhaltig prägende, berührende Erinnerungen hinterlassen: Einige davon hat der Verein „Quo Vadis“ – der auf Stechers Spuren u. a. auch alljährliche Pilgerwanderungen nach Maria Waldrast organisiert – nun in einem kunstvoll gestalteten Erzählband versammelt.

Für das Buch „bischof reinhold. unsere geschichten“ haben Projektleiter Christian Rosenkranz und Vereinsobmann Tony Obergantschnig Weggefährten des 2013 verstorbenen Bischofs um persönliche Erlebnisse und Anekdoten gebeten. Und diese sind äußerst vielfältig, wie die insgesamt 22 „Kurzgeschichten“ zeigen.

So erinnert sich Herbert Traxl, heute Pfarrer im Seelsorgeraum Zams-Zammerberg-Schönwies, seinerzeit Regens im Priesterseminar, mit Freude an die Besuche des Bischofs bei den Seminaristen: „Stecher wollte eigentlich hören, wo sie der Schuh drückt, doch die Seminaristen waren meist eher wortkarg.“ Also habe Stecher nicht nur auf ihre Wortmeldungen reagiert, sondern selbst zu erzählen begonnen, ein persönliches Erlebnis nach dem anderen eingeflochten und die Studenten völlig in seinen Bann gezogen, um den Besuch nach gut einer Stunde mit folgenden Worten zu beenden: „So, jetzt gebe ich euch noch den Segen – das nächste Mal erzählt’s aber ihr!“

Generell habe Stecher zu jedem Menschen den richtigen Zugang auf Augenhöhe gefunden, schwärmt Traxl, „ob Einfache oder Hochgebildete, ob Kindergartenkind oder Universitätsprofessor“.

„Ich kann meine Wertschätzung für ihn gar nicht mit Worten ausdrücken, ich bin sehr dankbar für die Begegnungen“, meint die Innsbrucker Künstlerin Luise Hirsch mit Tränen in den Augen. Stecher habe sie mit seinen Predigten direkt zu einigen ihrer Werke inspiriert und sie als Maler, Seelsorger und in seinem Einsatz für die Armen begeistert. Ebenso mit seinem Humor: Vor einer Messe in Hochrum habe sie Stecher ein Glas selbstgemachter Marillenmarmelade überreichen wollen, die dieser zum Frühstück sehr schätzte, erinnert sich Hirsch. Leider war das Glas nicht richtig zugeschraubt – und der Inhalt ergoss sich auf die Schuhe des Geistlichen. Stecher reagierte darauf mit typischem Humor: „Jetzt bekomme ich auch noch eine Fußwaschung.“

Auch viele andere Gastautoren, darunter Generalvikar Florian Huber, Esther Fritsch (Israelitische Kultusgemeinde), Herwig van Staa, Toni Mattle oder Christine Oppitz-Plörer, teilen besondere Erinnerungen. Das Vorwort steuerte Bischof Hermann Glettler bei, den „Nachklang“ Caritas-Direktor Georg Schärmer.

Für die Bebilderung des Bandes sorgt eine jüngere Generation: Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Sillgasse setzten sich vor einigen Jahren in einem Workshop, geleitet vom Künstler Hans Seifert, mit Aquarellen und Skizzen aus dem Nachlass von Reinhold Stecher auseinander. So entstanden 39 facettenreiche Bildinterpretationen.

Erstmals präsentiert wird das Stecher-Erinnerungsbuch am 11. Jänner um 19 Uhr im Festsaal des ISD-Wohnheims Lohbach, ab 14. Jänner ist es dann in allen Filialen der Buchhandlung Tyrolia erhältlich. Der Reinerlös fließt zu gleichen Teilen in die Aktionen „Wasser zum Leben“ und „Arche Tirol“, die Concordia-Sozialprojekte der Jesuiten und die Afrikahilfe „Deo Gratias“.