Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Tirol

Erste gleichgeschlechtliche Ehe Tirols: „Sehr emotionaler Moment“

In Innsbruck hat sich am Freitag Tirols erstes homosexuelles Paar das Jawort gegeben. Eine der beiden Bräute ist hierzulande keine Unbekannte.

Ex-Volleyballprofi Sara Montagnolli (links, mit rotem Mantel) und ihre Frau Keny Minuti Marena waren nach der Trauung überglücklich.

© Rudy De MoorEx-Volleyballprofi Sara Montagnolli (links, mit rotem Mantel) und ihre Frau Keny Minuti Marena waren nach der Trauung überglücklich.



Innsbruck – Die Orgel spielt den berühmten Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy. Applaus dringt gestern kurz vor Mittag aus dem Trausaal des Innsbrucker Standesamtes. Es öffnet sich die Tür, die beiden in Weiß gekleideten Frauen nehmen sich zärtlich in den Arm, küssen sich innig. Ein historischer Moment, denn gerade wurde Tirols erste gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen.

Eine der beiden Bräute ist hierzulande keine Unbekannte. Die gebürtige Innsbruckerin Sara Montagnolli war über lange Zeit eine der erfolgreichsten Volleyballerinnen Österreichs und im Jahr 2011 gemeinsam mit Barbara Hansel sogar Vize­europameisterin im Beachvolleyball. Ihre Frau Keny Minuti Marena, aufgewachsen in Sao Paolo in Brasillien, hat sie in Australien kennen gelernt, erzählt Montagnolli: „Keny hat in Brisbane ein Volleyball-Training besucht, das ich geleitet habe.“

Gefunkt habe es sofort, der Heiratsantrag folgte bei einer Wanderung auf dem Mount Warning, einem erloschenen Vulkan im Osten Australiens: „Es war ganz romantisch, bei Sonnenaufgang, mit Erdbeeren und Champagner.“

Vorgenommen hat die Trauung gestern Martin Tilly, Referatsleiter des Innsbrucker Standesamtes. „Etwas Besonderes ist es nicht mehr. Seit dem Jahr 2010 gibt es ja schon die eingetragenen Partnerschaften, 100 von solchen Zeremonien habe ich schon geleitet. Und auch die habe ich versucht, so festlich wie möglich zu gestalten“, sagt Tilly. „Man muss einzig und allein darauf aufpassen, dass man nicht Braut und Bräutigam sagt“, witzelt er. Der Andrang auf die „Ehe für alle“ halte sich in Innsbruck aber noch in Grenzen, erklärt der Standesbeamte: In den nächsten Tagen stünden noch drei oder vier weitere Eheschließungen auf dem Programm.

Seit 1. Jänner können in Österreich gleichgeschlechtliche Paare standesamtlich heiraten. Bereits Ende 2017 hatte der Verfassungsgerichtshof eine Regelung gekippt, die dies bis dato verhindert hat. Es sei längst überfällig gewesen, dass dies passiert ist, glaubt Montagnolli. Liebe sei schließlich Liebe „Es war mir wichtig, in meinem Heimatland zu heiraten, nachdem das möglich war.“ In Australien haben die beiden Bräute bereits eine Verlobungsfeier gegeben, im Juli folgt in Brasilien eine weitere Zeremonie.

Die Hochzeit in Innsbruck wird Montagnolli für immer in Erinnerung behalten: „Anfangs dachte ich, ich könnte cool bleiben. Als ich aber gesehen habe, wie sehr sich meine Frau freut, hat es auch mich mitgenommen. Ich bin überglücklich. Es war ein sehr emotionaler Moment.“ (bfk)