Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.01.2019


Bezirk Landeck

Hunde mit gutem Riecher für Extremsituationen

Eine feine Nase und eiserne Nerven – die Hundestaffel der Bergrettung trainierte gestern unter Realbedingungen am Venet. Auf die vierbeinigen Spürnasen dürfte heuer noch viel Arbeit zukommen.

Hundeführer Anton Wörz trainierte mit Cini. Der Vierbeiner aus Imsterberg war auf Zack.

© ReichleHundeführer Anton Wörz trainierte mit Cini. Der Vierbeiner aus Imsterberg war auf Zack.



Von Matthias Reichle

Landeck – Im Halbdunkeln der Schneehöhle ist weder das Pfeifen des Windes zu hören noch das Rufen der Mannschaften. Nur hie und da dringt ein Knirschen unter die Schneeoberfläche. „Jetzt kommt er“, flüstert Bergrette­r Christian Pelinka. Und tatsächlich, nach einer Weile beginnt es über uns zu scharren, ein Hund bellt. Mit den ersten Sonnenstrahlen steckt auch Tiago seine Schnauze in die Höhle, bevor das wuschelige Energiebündel selbst hereinstürmt, um sich seine Belohnung für die erfolg- reiche Vermisstensuch­e abzuholen: sein Spielzeug – eine Beißwurst.

Pipo war mit 15 Monaten der jüngste Teilnehmer.
Pipo war mit 15 Monaten der jüngste Teilnehmer.
- Reichle

Der zweijährige Hund ist derzeit noch in Ausbildung. Heuer absolviert er die Abschlussprüfung und darf ab dem kommenden Winter dann nicht nur bei Übungen wie dieser mitmachen. Er muss auch echte Verschüttete finden, die unter dem Schnee um ihr Überleben kämpfen. Nach einer kleinen Tollerei geht es wieder nach draußen, zur nächsten Übung.

Mitglieder der Bergrettungshundestaffel Landeck trainierten gestern am Venet. Die Voraussetzungen dafür konnten nicht schlechter sein: dichtes Schneetreiben, Nebel und Wind. Die Hundeführer versinken in Senken bis zur Brust im frischen, pulvrigen Neuschnee, als sie die Vorbereitungen für die kleine Bezirksübung treffen. „Das sind reale Einsatzbedingungen“, betont der Landesleiter der Bergrettungs-Hundestaffel, Daniel Thönig. „Wenn einmal eine Katastrophe ist, dann ist das Wetter genau so.“

Die Hunde verlassen sich ohnehin auf ihre feine Nase, während sie über das 200 mal 200 Meter große Übungsfeld, das die Bergretter am Krahberg ausgesteckt haben, laufen. Sie erschnuppern damit die menschliche Witterung, die durch die Schneedecke nach oben tritt. Je nach Schneebeschaffenheit können sie damit noch Verschüttete orten, die vier Meter tief begraben wurden. Für den Hund ist das eine Maximalbelastung wie im Spitzensport, die er nur über eine kurze Zeit aushalten kann. „Er fiebert sogar“, erklärt Thönig. Bei der Suche erhöht sich die Körpertemperatur der Tiere. Wie Hochleistungsportler müssen sie deshalb auch regelmäßig üben. Viel Unterstützung erhalte man von den Liftbetreibern. Sie stellen auch die Geräte für die Vorbereitungen zur Verfügung. Am Venet durften die Bergretter trotz allgemeiner Sperre am Krahberg trainieren.

Mit Christian Pelinka trainierte er schon mit. Tiago grub sich zu den Verschütteten durch.
Mit Christian Pelinka trainierte er schon mit. Tiago grub sich zu den Verschütteten durch.
- Reichle

Dann kommt Pipo an die Reihe. Der Rüde aus Faggen ist gerade einmal ein Jahr und drei Monate alt und damit der jüngste Hund, der bei der Übung mitmacht. Im Frühling beginnt er seine Ausbildung. „Heute muss er sich erstmals ganz auf seine Nase verlassen“, erklärt Thönig, während der Vierbeiner die Umgebung abschnuppert.

Für Hundeführer Christia­n Pelinka ist es bereits der dritt­e Gefährte – benannt nach „Pip­o“ Gorosito, dem Fußballer, der lange in Tirol gespielt hatte. Der Hund sei nicht nur Familienmitglied, er sei auch ein Kamerad und Freund, betont der Bergretter. Nach dem letzten Hund benötigte er deshalb erst einmal zwei Jahre Pause. „Da hätte der Welpe noch so lieb sein können. Da braucht man Abstand.“

Auch Pipo war dann gestern erfolgreich. Der Bezirksreferent der Hundestaffel, Egon Kaufmann, war allgemein mit der Übung zufrieden. Man ist gerüstet. Selbst ist der Bergretter, der die Leitung der Hundestaffel im Oktober von Thönig übernahm, mit Hündin Ivy unterwegs, die den ersten Winter im aktiven Dienst ist.

Die Staffel zählt derzeit acht aktive Hunde, vier weitere sind in Ausbildung. Und auch wenn der heurige Winter noch keine Einsätze gefordert hat – das dürfte sich schon bald ändern. Über der Baumgrenze war gestern überall in Nordtirol Lawinenwarnstufe 4.

Die Bergrettungs-Ortsstelle Schönwies trainierte gestern die Verschüttetensuche.
Die Bergrettungs-Ortsstelle Schönwies trainierte gestern die Verschüttetensuche.
- Reichle