Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.01.2019


Bezirk Landeck

Im Bezirk Landeck werden 70 Asylwerber betreut

Nach dem Höchststand von 280 Asylwerbern im August 2016 ist die Zahl deutlich geschrumpft. Deutschkurse decken den Bedarf derzeit nicht ab.

Erinnerung an das Asylwerberheim Kaifenau: Es gab Deutschkurse, der Rotary Club Landeck-Imst hatte Lernhilfen gespendet, Lehrer waren ehrenamtlich im Einsatz. Das Bild entstand im Juni 2016.

© WenzelErinnerung an das Asylwerberheim Kaifenau: Es gab Deutschkurse, der Rotary Club Landeck-Imst hatte Lernhilfen gespendet, Lehrer waren ehrenamtlich im Einsatz. Das Bild entstand im Juni 2016.



Von Helmut Wenzel

Landeck – Zwei Mitarbeiter der Tiroler Sozialen Dienste (TSD) betreuen im Moment rund 70 Asylwerber – in St. Anton, Pfunds, Prutz, Ried und Zams. 80 Prozent davon kommen aus Afghanistan. Im Juni 2018 waren es laut BH Markus Maaß noch 130 Personen, die im Bezirk Landeck auf den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA) gewartet haben. Mit 280 Flüchtlingen ist im August 2016 der Höchststand erreicht worden.

Nachdem das größte Asylquartier im Bezirk, der ehemalige Gasthof Kaifenau, im März 2018 zusperrte, klafft eine Betreuungslücke: Der Bedarf an Deutschunterricht kann nicht gedeckt werden, auch wegen fehlender Infrastruktur. „Meines Wissens gibt es einzelne Personen bzw. pensionierte Lehrer, die Flüchtlinge unterrichten“, schilderte der Bezirkshauptmann. Nähere Details wisse er nicht, auch weil er derzeit „generell nur spärliche Informationen bezüglich Asylwerbern“ bekomme.

Das Landecker AMS bietet zwar Kurse an, jedoch nicht auf „A1“-Niveau. Mit „A1“ sind Integrationskurse für Anfänger gemeint. Rund 20 Teilnehmer würden die AMS-Kurse für Fortgeschrittene jeweils im Frühjahr und Herbst besuchen, bestätigte AMS-Leiter Günther Stürz. Wo es keine ehrenamtliche private Initiative gibt, würden speziell die Anfängerkurse fehlen, schildern die Asyl-Betreuer. Man habe derzeit „mehrere Klienten im Zuge von Familienzusammenführungen“, wo Basiskurse nötig wären. Der Raum für Deutschkurse im ehemaligen Landecker Heim Kaifenau sei „jedenfalls ideal“ gewesen.

Unter den Asylwerbern finden sich nach wie vor jene fünf Burschen aus Afghanistan, die eine Lehrausbildung im Bezirk machen. Sie alle bekamen im Zuge des Asylverfahrens einen negativen Erstbescheid – die TT berichtete. Es sind „tüchtige Lehrlinge. Sie haben gute Zeugnisse und integrieren sich bestens“, sagen die Ausbildner in den Lehrbetrieben. Diese fühlen sich von der Politik ge- bzw. enttäuscht und im Stich gelassen. „Man hat uns in Aussicht gestellt, wenn wir den Lehrling aufnehmen, kann er in Österreich bleiben“, fasst Georg Geiger, Geschäftsführer der Serfauser Komperdellbahn, zusammen. Alle fünf haben Berufung gegen den Erstbescheid eingelegt. Seit Monaten warten die Burschen auf eine weitere Vorladung beim BFA.

Die Situation ist dem Bezirkshauptmann ein Dorn im Auge. „Vor einigen Jahren ist das humanitäre Bleiberecht in einigen Fällen zur Anwendung gekommen. Ich kann nur plädieren, dass dieses Bleiberecht wieder aktiviert wird, damit die betroffenen Lehrlinge ihre begonnene Ausbildung im Bezirk abschließen können.“




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