Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


Bezirk Kitzbühel

Kein Platz für Brauchtum in Kitzbüheler Luxus-Boutique

Kitzbühels Stadtpfarrer Michael Struzynski legt sich mit Louis Vuitton an. Die Sternsinger durften nämlich nicht in der Filiale der Luxusmarke auftreten.

Die Sternsinger waren auch heuer wieder in Kitzbühel unterwegs, so auch in der Innenstadt. Ein offizieller Auftritt verwehrt wurde ihnen aber in der Filiale der Luxusmarke Louis Vuitton.

© Harald AngererDie Sternsinger waren auch heuer wieder in Kitzbühel unterwegs, so auch in der Innenstadt. Ein offizieller Auftritt verwehrt wurde ihnen aber in der Filiale der Luxusmarke Louis Vuitton.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – In der Kitzbüheler Innenstadt reihen sich die Geschäfte verschiedenster Luxusfirmen aneinander. Meist nicht von heimischen Unternehmern betrieben, sondern Filialbetriebe und damit kaum verwurzelt mit der Stadt. Dass das eine oder andere Luxuslabel auch nichts mit heimischen Bräuchen anzufangen weiß, zeigte sich kürzlich. Die Firma Louis Vuitton hat sich den Unmut des Kitzbüheler Pfarrers Michael Struzynski zugezogen. In seiner Predigt am vergangenen Sonntag sparte er dann auch nicht mit Kritik an der Luxusmarke.

Der Grund für den Ärger: Die Sternsinger durften in der Filiale nicht auftreten. „Ich gehe jedes Jahr mit den Kindern in der Innenstadt mit und wir besuchen dabei jedes Geschäft. Wir wurden auch überall herzlich empfangen“, schildert der Stadtpfarrer. Der Empfang war auch in der Louis-Vuitton-Filiale freundlich, doch es gab eine Absage. „Die Filialleiterin war äußerst höflich, sagte uns aber, dass wir nicht auftreten dürfen. Die Unternehmensführung verbietet alles Religiöse in den Filialen“, erklärt Struzynski gegenüber der Tiroler Tageszeitung und erzählt weiter: „Die Kinder waren sehr enttäuscht. Sie machen das mit großem Spaß und Einsatz und dann durften sie nicht singen.“

Das Brauchtum des Sternsingens sei in Österreich sehr bekannt und beliebt, wie der Pfarrer betont. „Es gehört in Österreich und Deutschland dazu“, ist er überzeugt. „Die Kinder opfern dafür ihre Ferien, um Gutes zu tun“, sagt der Stadtpfarrer. Nicht weniger als 80 Kinder waren heuer in Kitzbühel in 33 Gruppen unterwegs. Durch die Innenstadt immer in Begleitung des Pfarrers. „Da haben wir bisher nur positive Erfahrungen gemacht. In den Geschäften wird meist sogar kurz der Verkauf eingestellt und auch die Kunden sehen den Sternsingern zu und spenden gerne“, schildert Struzynski. Die Spenden kommen alljährlich einem guten Zweck zugute.

„Wo leben wir?“, fragt sich der Pfarrer. Österreich sei ein christliches Land, „und dann dürfen wir hier nicht unsere Traditionen leben“, ärgert sich Struzynski und sagt weiter: „Ich fliege mit den Sternsingern ja nicht nach Dubai. Auch komme ich mit den Kindern nicht, um das Geschäft zu segnen oder ein Kreuz aufzuhängen.“ Diesem Unverständnis habe er dann am vergangenen Sonntag bei der Messe Luft gemacht. „Ich war einfach sehr traurig, dass das passiert ist, und habe das auch mitgeteilt“, sagt der Pfarrer. Mitteilen werde er das auch noch dem Konzern selbst, er will ein Schreiben an die Zentrale in Frankreich schicken. „Wie kann es sein, dass jemand von oben, der keine Werte mehr lebt, uns hier in Kitzbühel vorschreibt, wie wir zu leben haben?“, ist Struzynski noch immer empört. Auf Anfrage der TT wollte Louis Vuitton keine Stellungnahme zu diesem Vorfall in Kitzbühel abgeben.

Auch wenn man bei Louis­ Vuitton nicht auftreten durfte, war die Sternsingeraktion für heuer wieder ein großer Erfolg. Nicht weniger als 23.000 Euro an Spenden konnten die Kitzbüheler Sternsinger sammeln. Damit gab’s eine enorme Steigerung zum Vorjahr, als 17.000 Euro gesammelt wurden. „Die Menschen in Kitzbühel spenden sehr gerne für die Aktion“, betont Struzynski.

Aufhorchen ließ der Stadtpfarrer auch schon ein paar Tage vorher, als Struzynski am 1. Jänner erstmals Handys und Smartphones segnete. „Wir segnen so vieles und das Smartphone hat jeder immer dabei“, sagt der Pfarrer. Deshalb sei er auf die Idee gekommen. Es gehe aber nicht darum, dass das Handy nicht so schnell kaputt wird, sondern es sei ein Zeichen des Glaubens und ein Segen für den „User“, wie er es auch in seinem Segen nannte.