Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.01.2019


Exklusiv

Unerreichbares Winterparadies: Wer muss zahlen?

Von einem Extrem ins andere: Nach dem Bangen um genügend Schnee folgt das Winterchaos. Doch wer trägt die Kosten, wenn der Urlaubsort nicht erreichbar ist?

Wenn nichts mehr geht und der Urlaubsort von der Außenwelt abgeschnitten ist, trägt der Unterkunftgeber das Risiko.

© Thomas Boehm / TTWenn nichts mehr geht und der Urlaubsort von der Außenwelt abgeschnitten ist, trägt der Unterkunftgeber das Risiko.



Innsbruck – Auf dem Weg zum erholsamen Urlaub drohen viele Hürden, und immer geht es danach auch darum, ob Stornogebühren zu bezahlen sind. Das Ombudsteam der Tiroler Tageszeitung ist regelmäßig mit Anfragen konfrontiert, ob diese gerechtfertigt sind oder der Gast sein Geld zurückbekommt.

Während es bei Flugverspätungen oder -absagen besonders im Ausland oft schwierig ist, seine Forderungen durchzusetzen, ist die Rechtslage zumindest in Österreich ganz eindeutig, wenn Urlaubsorte nicht erreichbar sind. Das bestätigt der Verein für Konsumenteninformation (VKI), der sich aufgrund des aktuellen Schneechaos auch in den heimischen Wintersportorten mit der Frage beschäftigt hat, ob Urlauber, die aufgrund von unpassierbaren Straßen und Lawinensperren nicht zum gebuchten Hotel oder Ferienappartement gelangen und somit ihren Erholungsaufenthalt nicht antreten können, trotzdem für die Unterkunft bezahlen müssen.

Der VKI geht davon aus, dass der einzelne Urlaubsgast das Entgelt für das gebuchte Feriendomizil zu leisten haben wird, wenn er sich nur deshalb nicht an seinem Zielort einfindet, weil etwa eine Straße, die aber nicht der einzige Zufahrtsweg ist, gesperrt ist. Wenn das Hotel also auf einem Umweg erreichbar ist, fallen in jedem Fall Kosten an. Wie lange dieser sein darf, muss vermutlich von Fall zu Fall beurteilt werden, sagt die Juristin Laura Ruschitzka vom Bereich Recht beim VKI und verweist auf die Zumutbarkeit. Diese Frage wird sich vermutlich dann stellen, wenn große Strecken zurückgelegt und etwa mehrere Pässe überquert werden müssen, um eine Sperre durch einen Lawinenabgang zu umfahren und zum Urlaubsort zu gelangen.

Kann aber der Beherbergungsbetrieb von keinem Urlaubsgast – also auch nicht auf Umwegen – erreicht werden, dann trifft das Risiko der Unerreichbarkeit des eingeschneiten Wintersportortes den Gastwirt. Der Urlaubsgast, der die gemietete Unterkunft während der gesamten vereinbarten Vertragsdauer nicht mehr erreichen kann, sei daher nicht zur Entgeltzahlung oder zur Bezahlung von Stornogebühren verpflichtet, sagen die Rechtsexperten.

„Urlauber sollten den Umstand der Nichterreichbarkeit im Hinblick auf allfällige gerichtliche Auseinandersetzungen gut dokumentieren“, rät Beate Gelbmann, Leiterin der Abteilung Klagen im VKI in einer Aussendung. Betroffene sollen Medienberichte über Sperren oder Informationen von Verkehrs- und Lawinenwarndiensten sammeln.

Entspannt sich die Wettersituation während der vereinbarten Leistungszeit, will der Urlauber aber nicht mehr anreisen, dann wird der Vertrag unter Heranziehung der Grundsätze der Teilunmöglichkeit zur Gänze aufgelöst, wenn die verbleibende Urlaubszeit den angestrebten Erholungszweck nicht mehr erfüllen kann. In diesem Fall entfällt laut VKI auch die Entgeltpflicht des Gastes für die restlichen Urlaubstage.

Kommt der Urlaubsgast aufgrund der Schneemassen nicht vom Urlaubsort weg und muss weiterhin in einem Ferienquartier wohnen, so muss er die Unterkunft auch bezahlen, allerdings nur, wenn er sie privat gebucht hat, informiert Laura Ruschitzka. Bei Pauschalreisen gilt, dass der Reiseveranstalter dafür sorgen muss, dass der Kunde zu seinem Urlaubsort hin- und auch von dort wieder wegkommt. Das gilt für maximal drei zusätzliche Tage im eingeschneiten Ferienparadies.

Ist der Urlaubsort nicht erreichbar, kann der Anbieter von Pauschalreisen als Alternative auch vorschlagen, die Ferien in einer anderen Unterkunft an einem zugänglichen Ort zu verbringen. Der Gast hat die Möglichkeit, es anzunehmen oder auch abzulehnen, wenn es ihm nicht zusagt. Achtung: Reagiert er nicht darauf, kann das als Zustimmung gewertet werden!

Keine Ausrede ist übrigens ein nicht wintertaugliches, hängengebliebenes Fahrzeug. Ruschitzka: „Mit Schneefahrbahnen und Kettenpflicht wird im Winter immer zu rechnen sein!“ (ms)

Der TT-Ombudsmann: Auf Nummer sicher

Von Hansjörg Jäger

Auch wenn die derzeitige Wetterlage die Reiselust nicht gerade fördert, es lockt der prächtige Schnee oder der Duft der weiten Welt, und die Prospekte versprechen in jedem Fall Traumferien. Obwohl Nah- oder Fernreise für viele von uns zum normalen Jahresablauf gehören, darf man nicht vergessen, dass neben der Lust auch gewaltiger Frust auf den Urlauber zukommen kann. Und der kann weit über Stau und Sperren von Straßen oder den Verlust eines Koffers hinausgehen. Deshalb ist gewissenhafte Vorbereitung auch für schnell­entschlossene Last-Minute-Bucher unerlässlich, selbst wenn das einige zusätzliche Anstrengungen erfordern sollte.

Informationen über Land und Leute, die notwendigen Dokumente, seien es Visa oder Impfzeugnisse, müssen rechtzeitig eingeholt werden, Google ist da sehr hilfreich. Man darf sich auch nicht von der Bequemlichkeit des Reisens im Schengenraum täuschen lassen. So kann ein vergessenes Visum ebenso zur Umkehr zwingen wie winterliche Straßensperren. Vor allem bei Infos und Buchungen im Internet ist besondere Achtsamkeit geboten, denn da fehlt die helfende Hand des Reisebüroberaters. Auch gelten mündliche Zusagen im Zweifelsfall nur, wenn sie schriftlich bestätigt wurden.

Mancher gewiefte Reisende wird sagen, das ist doch selbstverständlich. Keinesfalls für jeden, weshalb wir mit diesen Ratschlägen dazu beitragen wollen, dass aus dem Urlaub jene Kraftquelle wird, von der man im harten Alltag noch lange zehren kann.