Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.01.2019


Exklusiv

Interner Hausarzt: Mehr Luft für Ambulanzen an Klinik Innsbruck

Seit knapp einem Jahr soll eine interne Hausarzt-Praxis die Ambulanzen am Landeskrankenhaus Innsbruck entlasten. Nun wurde das Pilotprojekt ausgeweitet.

Österreich ist eines der wenigen Länder, wo der Patient und nicht der Arzt entscheidet, ob es wegen der gesundheitlichen Beschwerden eine Spitalsambulanz mit Spezialisten braucht oder nicht.

© Thomas BöhmÖsterreich ist eines der wenigen Länder, wo der Patient und nicht der Arzt entscheidet, ob es wegen der gesundheitlichen Beschwerden eine Spitalsambulanz mit Spezialisten braucht oder nicht.



Innsbruck – Die Zahl der Ambulanzbesuche zu halbieren ist seit vielen Jahren ein Thema der Innsbrucker Klinik. Es gebe „viel zu viele“ Patienten, die eigentlich nichts an einer Spitalsambulanz verloren hätten, so die Klage. Es zeigte sich vor allem an der Notfallambulanz des Medizinzentrums Anichstraße, dass etwa 30 bis 40 Prozent der jährlich über 20.000 ambulant behandelten Patienten keine „echten“ Notfälle waren. Das blockiert Zeit und Ressourcen.

Um die Ambulanz zu entlasten, startete man deshalb vor rund einem Jahr an der Inneren Medizin das Pilotprojekt „Hausarztpraxis“. Die Idee war, nach professioneller Einschätzung der Behandlungsdringlichkeit seitens der Pflege (Manchester-Triage-System) die Patienten im Falle zur quasi hauseigenen Allgemeinmediziner-Praxis weiterzuleiten.

Das System hat sich bis dato bewährt: „Es ist ein Erfolgsmodell, weil es die Wartezeiten an der Ambulanz verkürzt und das Notfallpersonal entlastet“, erklärt die Ärztliche Direktorin Alexandra Kofler auf Anfrage der TT. Insgesamt drei Ärztinnen würden sich 1,5 Stellen als Hausarzt teilen und sich mit dem Pflegepersonal um die weitergeleiteten Patienten kümmern – rund 4000 waren es seit dem Start. „Die Menschen kommen nicht einfach zur Gaudi in die Klinik, oft kommen sie, weil sie ihr Leiden medizinisch nicht einschätzen können. Sie wollen an der Klinik Gewissheit haben. Unser Job ist es, zu unterscheiden, was ein Ernstfall ist und was nicht“, so Kofler. Dazu kommt noch ein klarer Vorteil aus Sicht des Patienten: Spitalsambulanzen sind rund um die Uhr besetzt, auch am Wochenende, und es sind spezialisierte Ärzte am Werk. Das neue Hausarzt-System will auch hier greifen: Seit Jänner dieses Jahres wurde das System auf die Ambulanzen für Kreuzschmerzen und Dermatologie ausgeweitet. Auch die Zeiten sind umfassender geworden, mittlerweile haben die klinikinternen Hausärzte von Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr und (neu) am Samstag von 12 bis 18 Uhr offen. Anfänglich befürchtete Ängste, man sei damit eine Konkurrenz für niedergelassene Allgemeinmedizine­r, könne man widerlegen, so Kofler, denn: „Hier geht es nur um Akutfälle, es werden keine Nachbehandlungen gemacht.“ Das Pilotprojekt wird evaluiert, die Daten dazu werden frühestens im April präsentiert werden. (lipi)