Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Gesellschaft

Widerstand gegen neue Wohnanlage in Grinzens

Ursprünglich waren auf einem Baugrund in Rauth Einfamilienhäuser vorgesehen, nun sollen es 20 – frei finanzierte – Wohnungen werden.

Derzeit tief verschneit ist der Hang, auf dem schon bald 20 Wohnungen entstehen sollen.

© DaumDerzeit tief verschneit ist der Hang, auf dem schon bald 20 Wohnungen entstehen sollen.



Von Denise Daum

Grinzens – Längst haben die Bauträger das Umland von Innsbruck für sich entdeckt. Axams und Götzens beispielsweise erleben einen regelrechten Bauboom bei frei finanzierten Wohnanlagen. Das wirkt sich naturgemäß auf die Preise aus, die ordentlich anziehen. In Götzens soll mittlerweile sogar die 1000-Euro-Marke für den Quadratmeter Baugrund geknackt worden sein. Nun steht in Grinzens ein Großprojekt am Start. In Hang­lange in Rauth ist ein Terrassenbau mit 20 Wohnungen geplant. Die Nachbarn haben damit keine Freude, zumal der ursprüngliche Plan ganz ein anderer war, wie die unmittelbare Anrainerin Daniela Ladits erklärt. „Im Raumordnungskonzept war eine lockere Bebauung vorgesehen, also Einfamilienhäuser.“ Dagegen hätte man auch nichts gehabt, wie Ladits betont. „Dann hieß es, dass es leistbare Wohnungen für Einheimische werden. Aber davon ist ebenfalls keine Rede mehr“, erklärt Ladits.

Auf der Gemeindehomepage ist nach wie vor eine Bürgerinformation online, wonach in Rauth „auch wohnbaugeförderte und damit leistbare Wohnungen“ errichtet werden. Auch im Bebauungsplan, der derzeit aufliegt, ist festgehalten, dass ein Teil der Wohnungen gemäß den Richtlinien der Tiroler Wohnbauförderung errichtet wird. Davon hat man offenbar Abstand genommen, wie Bürgermeister Anton Bucher bestätigt. Weil die Baugesellschaft – und auch die Gemeinde – dann doch wollte, „dass die Wohnungen allesamt den gleichen Standard haben. Wohnbaugeförderte Wohnungen sind halt billiger ausgestattet“, erklärt Bucher. Für Grinziger gebe es zum Ausgleich einen Rabatt von fünf Prozent auf den ausgeschriebenen Preis. Das ist für Bucher eine gute Alternative.

Daniela Ladits wird diese Woche eine negative Stellungnahme zum Projekt einreichen. Dabei stützt sie sich vor allem auf den schmalen Zufahrtsweg. Der ist nämlich laut Verkehrsgutachten nur bedingt geeignet. Eine verdichtete Wohnbebauung ist aus verkehrstechnischer Sicht demnach nur vertretbar, wenn auf dem Anfahrtsweg mehrere Begegnungszonen geschaffen werden.

Der problematischen Zufahrt ist sich die Gemeindeführung bewusst. Der Bauträger habe deshalb eine Einmalzahlung von 30.000 Euro an die Gemeinde zugesagt, um die Situation zu verbessern. Zudem werde die Gemeinde auch etwas aus eigener Tasche beitragen. „Immerhin bekommen wir ja einen Haufen Erschließungskosten“, sagt Bucher.

Die Stellungnahme von Daniela Ladits werde „selbstverständlich“ im Gemeinderat behandelt. „Die Zufahrtssituation ist in meinen Augen aber kein K.-o.-Kriterium für das Projekt“, stellt der Bürgermeister klar.

Mit dieser Visualisierung bewirbt die Baugesellschaft die 20 geplanten Terrassenwohnungen in Grinzens-Rauth.
Mit dieser Visualisierung bewirbt die Baugesellschaft die 20 geplanten Terrassenwohnungen in Grinzens-Rauth.
- Daum