Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.01.2019


Innsbruck-Land

Das „Mullerfieber“ hat Rum voll erfasst

Der große Mullerumzug der Martha-Dörfer geht am 24. Februar in Rum über die Bühne, die Vorarbeiten laufen auf Hochtouren. Hunderte Aktive und bis zu 10.000 Besucher werden zum Fasnachtshöhepunkt erwartet.

Siegfried Reich werkt am Kopfschmuck des Sohnemanns.

© DomanigSiegfried Reich werkt am Kopfschmuck des Sohnemanns.



Von Michael Domanig

Rum – Dienstagabend. Im Mullerlokal bei der Rumer Pfarrkirche herrscht reges Treiben. Siegfried Reich sitzt am Tisch und werkt konzentriert am Kopfschmuck für das „Gwand“ seines Sohnes, der in der Fasnacht als „Zottler“, eine grimmige Winterfigur, unterwegs ist. Nach drei Jahren fleißiger Mullerei sind neue Pfauenfedern, Glasperlen und Blumen fällig. Auch bei den „Großen“ gibt es viel zu flicken und auszubessern. Schließlich will jeder Muller, ob jung oder alt, mit einem „sauberen Gwandl“ unterwegs sein, erst recht im Umzugsjahr: Denn der große Mullerumzug der Martha-Dörfer geht nach fünf Jahren wieder in Rum in Szene – am Sonntag, den 24. Februar, mit Beginn um 13.30 Uhr.

Christian und Martin Lechner (oben, v. l.) führen das Organisationsteam an.
Christian und Martin Lechner (oben, v. l.) führen das Organisationsteam an.
- Domanig

Also werden im Mullerlokal nicht nur Federn und anderes Zubehör ausgeteilt – das aus Kostengründen kollektiv bestellt wird –, sondern auch schon die Plakate und Flyer mit einem Motiv des Rumer Künstlers Helmut Sailer.

Die Vorbereitungen für den Umzug laufen freilich schon viel länger, seit gut einem Jahr, berichtet Martin Lechner, Schützenhauptmann und Obmann des Organisationskomitees. Das reicht von der Terminabstimmung (es soll ja keine Überschneidungen mit anderen großen Fasnachten geben) über das dichte Rahmen- und Musikprogramm bis zu den Sicherheitsauflagen, die immer strenger werden: „So muss bei jeder einzelnen Gruppe eine zweiköpfige Brandsicherheitswache mitgehen“, erklärt Lechner, insgesamt sind ca. 125 Feuerwehrler im Einsatz. Sogar ein Hubschrauberlandeplatz ist für den Umzug vorzusehen.

Der „Zottler“ (großes Bild) zählt zu den wildesten Fasnachtsfiguren.
Der „Zottler“ (großes Bild) zählt zu den wildesten Fasnachtsfiguren.
- Michael Brunner

Was die Strecke angeht, gibt es in Rum einige Besonderheiten: Im Gegensatz etwa zu Thaur oder Absam, wo die Dörferstraße als zentrale Verkehrsachse für den Umzug gesperrt werden muss, bleibt sie in Rum schon zum dritten Mal komplett frei. Der Umzug verläuft nämlich südlich davon, im „Kreis“ aus Kirchgasse, Sankt-Georg-Weg, Langem Graben und Schulgasse. „Das hat den großen Vorteil, dass keine Umleitung der Dörferlinie nötig ist und die Besucher ganz normal mit den Bussen anreisen können“, sagt Lechner. Dadurch, dass die Strecke so weit nach Süden reicht, ist es zudem nur noch ein Katzensprung bis Neu-Rum, wo jede Menge Parkplätze zur Verfügung stehen. Beim Umzug in Rum gibt es übrigens keine fixen Startplätze: Die Gruppen nehmen gleich im Kreis Aufstellung – so dass für die Zuschauer kaum Wartezeiten zu erwarten sind. Erwartet werden je nach Wetter bis zu 10.000 Fasnachtsfans (Eintritt: 6 Euro, bis 15 Jahre frei).

Rund 600 bis 700 Akteure werden für ein farbintensives Spektakel sorgen: Mit dabei sind die Rumer und Thaurer Muller, die Absamer und Milser Matschgerer, die Aldranser Schellenschlager, drei Musikkapellen, dazu die Rumer Vereine mit ihren aufwändigen Festwagen (die am Samstag vor dem Umzug ab 14 Uhr offiziell präsentiert werden).

Für die Rumer Muller sind es auch abseits des Umzugs intensive Wochen: „In der heurigen Fasnacht sind wir an insgesamt 28 Tagen unterwegs“, erzählt Muller-Obmann Christian Lechner, Sohn des Schützenhauptmanns. Die Palette reicht von einem Auftritt beim Bauernbundball in Innsbruck am 8. Februar bis zum Mullerschaug’n im „FoRum“ am 21. Februar.

„Die Begeisterung für die Mullerei wird einem in die Wiege gelegt, entweder man hat es im Blut oder nicht“, meint Martin Lechner. Er ist stets als „Halbweißer“ unterwegs, eine freundliche Frühlingsfigur, bekannt für ihre Sprünge über die Weidenrute. „Gott sei Dank derhupf ich’s noch, aber nur mit hartem Training“, lacht er. Sohn Christian wiederum hat verschiedenste „Gwandln“ daheim: Ob er nun als Zottler, Melcher, Affe, Bär oder Halbweißer auftritt, will er „spontan entscheiden“. Alle Details unter: www.mullerumzug.at