Letztes Update am Fr, 18.01.2019 12:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mittelmeer

Toter Flüchtling mit Schulzeugnis in der Tasche bewegt Italien

Nach mehr als einem Jahr auf dem Meeresboden wurde die Leiche eines 14-jährigen Migranten aus Mali identifiziert. In der Jacke des Jugendlichen war ein Schulzeugnis sorgfältig eingenäht.

Symbolfoto.

© ANA-MPASymbolfoto.



Rom – Das Schicksal eines bei einer Seefahrt über das Mittelmeer ertrunkenen Migranten aus Mali bewegt Italien. Der 14-jährige Flüchtling befand sich an Bord eines Schiffes, das im April 2015 mit circa 1000 Menschen an Bord kenterte. 528 Leichen wurden damals geborgen.

Ein Jahr lang lag die Leiche des Flüchtlings auf dem Meeresboden, bevor sie geborgen wurde. Die Mailänder Ärztin Cristina Cattaneo, die die Leiche zur Identifizierung untersuchte, fand sorgfältig in der Jacke des Jugendlichen eingenäht ein Schulzeugnis in arabischer und französischer Sprache. „Wir alle, die die Leiche untersuchten, hatten denselben Gedanken: Wir dachten an die Erwartungen dieses jungen Flüchtlings aus Mali, der so sorgfältig sein Schulzeugnis mit guten Noten versteckt hatte. Damit hoffte er offenkundig, sich die Tore einer italienischen oder europäischen Schule zu erschließen“, berichtete Cattaneo im Buch „Naufraghi senza volto“ (Schiffbrüchige ohne Gesicht), das vom italienischen Verlag Cortina veröffentlicht wurde.

Dokumente, Geld und kleine Habseligkeiten

Seit 2013 untersucht Cattaneo Leichen von im Mittelmeer ertrunkener Migranten zur Identifizierung. In den Taschen der verstorbenen Flüchtlinge findet sie nicht nur Dokumente und Geld, sondern Säckchen mit Erde aus der Heimatgegend, Bilder von Angehörigen und Briefe, wie sie im Buch erzählt.

Das Schiff mit dem Flüchtling aus Mali war am 18. April 2015 in libyschen Gewässern gekentert, als die Insassen auf eine Seite liefen, weil sich ihnen ein portugiesisches Handelsschiff näherte, von dem sie sich Hilfe erhofften. Das Schiff war schwer überlastet. Hunderte Menschen stürzten ins Meer und ertranken. Das Unglück löste in ganz Europa tiefe Bestürzung aus. (APA)


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