Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Bezirk Landeck

Verein BIN in Landeck: Es gibt Hilfe im Teufelskreis der Alkoholsucht

Das Landecker Team des Vereins BIN unterstützt abhängigkeitskranke Menschen. Suchtberaterin Anita Pale hat voriges Jahr rund 800 Gespräche mit Klienten geführt.

Gesundheitspsychologin Katrin Lechleitner (l.) und Suchtberaterin Anita Pale sind Ansprechpartner des Vereins BIN, Beratungsstelle Landeck.

© WenzelGesundheitspsychologin Katrin Lechleitner (l.) und Suchtberaterin Anita Pale sind Ansprechpartner des Vereins BIN, Beratungsstelle Landeck.



Landeck — Die legale Droge Alkohol ist „fixer Bestandteil der Tiroler Fest- und Esskultur", zeigt die erfahrene Expertin Anita Pale auf. Sie ist akademische Suchtberaterin beim Verein BIN, Beratungsstelle Landeck. Das Kürzel steht für Beratung, Information und Nachsorge. BIN wird vom Land Tirol finanziert.

Voriges Jahr hat Pale rund 800 Beratungsgespräche mit Betroffenen und auch mit Angehörigen von alkoholkranken Menschen aus dem Bezirk Landeck geführt. Die Expertin weiß, dass der Weg vom Genussmittel zum (auch hochprozentigen) Suchtmittel nicht allzu weit ist. „Oft können Menschen keine Grenze mehr zwischen Genuss und Sucht ziehen." In vielen Fällen würden Gefährdete in den Teufelskreis einer „schleichenden psychischen und dann auch körperlichen Abhängigkeit" geraten. „Dann geht nichts mehr ohne Alkohol. Und der Alkohol betäubt alles." Derzeit sind, so Pale, 2000 Menschen im Bezirk alkoholkrank, dazu kommen mindestens 4000 alkoholgefährdete Personen. Die Folgen der Sucht seien vielschichtig. „Sie reichen von Kontrollverlust, Problemen in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz bis hin zum Jobverlust."

Wie können Alkoholkranke aus dem Teufelskreis ausbrechen? — „Eine Auseinandersetzung ist nötig. Reden bringt Entlastung", fasst die Expertin zusammen. Der Verein habe voriges Jahr 90 Betroffene begleitet, 49 Männer und 41 Frauen. Geboten werden Einzelberatung, Gruppentherapie und Nachsorge.

Katrin Lechleitner, klinische Gesundheitspsychologin, begleitet Menschen, die künftig ohne Alkohol leben möchten. Sie moderiert Gruppenprozesse: „Die gegenseitige Unterstützung in der Gruppe ist dabei sehr wichtig. Man geht achtsam miteinander um." Bei Klienten mit Nachbetreuung sei eine Erfolgsbilanz von bis zu 70 Prozent möglich. Das heißt, 30 Prozent würden in einen „Rückfall" geraten.

Die Kontaktaufnahme im Landecker BIN-Büro (Malser Straße 44) ist unkompliziert. Man kann sich anmelden (Tel. 05442/64812, E-Mail anita.pale@bin-suchthilfe.tirol) oder ohne Anmeldung vorbeikommen. Internet: www.bin-tirol.org (hwe)