Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 27.01.2019


Gesellschaft

Schwarzer Freitag für Ski-Ehe

Bei der Silzer Gemeindeversammlung stemmte sich eine Handvoll Befürworter gegen einen Saal voll Hochoetz-Kühtai-Gegner.

Projektgegner der Skigebietserweiterung Hochoetz-Kühtai teilten Flyer in Silz aus.

© ParthProjektgegner der Skigebietserweiterung Hochoetz-Kühtai teilten Flyer in Silz aus.



Von Thomas Parth

Silz – Am Freitagabend hatten die Ortsoberhäupter von Silz zur öffentlichen Gemeindeversammlung in den mit gut 400 Personen voll besetzten Mehrzwecksaal geladen.

Nachdem durch Bürgermeister Helmut Dab­lander geklärt war, wer ein Rederecht bekommen sollte – die Silzer –, starteten die Projektanten mit der Vorstellung ihrer Visionen. Danach begann die Diskussion mit dem Publikum. Dieses war bereits beim Einlass in „Silzer“ und „Gäste“ getrennt worden, um leichter feststellen zu können, wer berechtigt war, das Wort zu ergreifen.

Das erste Statement von Philip Haslwanter, dem Geschäftsführer der Bergbahnen Kühtai, warb um eine „touristisch nachhaltige Absicherung zweier Skigebiete“. Doch bereits die zweite Wortmeldung eines Silzers machte deutlich, wohin die Reise an diesem Abend ging.

Der Biologe Simon Draxl-Weißkopf erntete stürmischen Applaus für seine Frage zum Schutzgut Boden, welches durch Skipisten „nachhaltig und nicht mehr reparierbar zerstört“ werde. Alexandra Hainz fühlte sich durch die Art der vorangegangenen 50-minütigen Präsentation hinters Licht geführt: „Uns wurde eine objektive Darstellung versprochen. Um sich als Bürger eine Meinung zu bilden, gehören aber beide Seiten gehört.“

Peter Seethaler: „Auf der Folie mit den Schutzgütern steht der Mensch an erster Stelle. Hätten die Betreiber gefragt, was die Menschen dazu sagen, wäre uns allen hier viel erspart geblieben.“ Nach der Klarstellung von BM Dablander, dass „natürlich der Gemeinderat“ über die Skigebietsfusion entscheiden werde, warf ein Bürger ein, dass ihm dort mindestens vier Befangene einfielen.

Projektbefürworter wie Kühtai-Hotelier LA Mari­o Gerber und Wolfgang Sommavilla vom Jagdschloss, die wirtschaftliche Interessen ins Treffen führten, oder ein Bergbauer, der sich eine Erleichterung bei der Alpung erhoffte, wurden zwar gehört, gingen jedoch unter. Befürchtungen, dass die „Skigebietserweiterung“ Stammgäste vertreiben oder dass die Finanzierung explodieren könnte, überlagerten die Pro-Argumente im mittlerweile emotional aufgeladenen Gemeindesaal.

Dass Projektgegner Gerd Estermann, dessen Petition bislang über 13.000 Unterstützer fand, am Ende doch ein Statement abgeben durfte, war nicht mehr als eine Handreichung und konnte die Stimmung in Silz nicht mehr drehen.