Letztes Update am Fr, 01.02.2019 16:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Bisher vier Masernfälle in Tirol, Land startet Infokampagne

Seit Anfang des Jahres gibt es in Tirol bisher vier bestätigte Masernfälle. Fünf Babys die vorsorglich in die Innsbrucker Klinik eingeliefert wurden, konnten wieder entlassen werden. Das Land setzt nun auf eine Impf-Informationskampagne.

Auch in Österreich kommt es immer wieder zu Masernfällen, obwohl dies durch konsequentes Impfen zu vermeiden wäre.

© APA/HochmuthAuch in Österreich kommt es immer wieder zu Masernfällen, obwohl dies durch konsequentes Impfen zu vermeiden wäre.



Innsbruck - In Tirol ist die Anzahl an bestätigten Masernerkrankungen am Freitag auf vier angestiegen. Der Fall einer Frau aus Kufstein und eines Kindes aus dem Alpbachtal waren bereits bekannt. Ein weiterer Verdachtsfall eines Mannes aus dem Alpbachtal wurde bestätigt und bereits Anfang Jänner war in Tirol ein ukrainisches Urlauberkind an Masern erkrankt, sagte Anita Luckner-Hornischer von der Landessanitätsdirektion.

Trotzdem konnte bisher kein Konnex zwischen den einzelnen Fällen hergestellt werden, erklärte Luckner-Hornischer am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Acht Babys und Kleinkinder, die möglicherweise Kontakt zu dem an Masern erkrankten einheimischen Kind in der Ordination eines Kinderarztes im Bezirk Schwaz hatten, waren bereits am Donnerstag in die Kinderklinik eingeliefert worden. Fünf von ihnen konnten mittlerweile wieder entlassen werden.

„Masern für Risikopatienten gefährlich"

Thomas Müller, Leiter der Kinderklinik, erinnerte indes an die Gefahr, die durch Masern ausgeht. „Masern sind vor allem für Risikopatienten gefährlich, also für Säuglinge, Schwangere und Patienten, die gerade eine Therapie machen, die das Immunsystem unterdrückt, wie beispielsweise eine Chemotherapie", sagte Müller. Das Risiko einer schweren Gehirnentzündung bei Säuglingen, die an Masern erkranken, liege bei 1:600, erläuterte Luckner-Hornischer.

Die Eltern eines jeden Säuglings, der Kontakt zu einem mit Masern Infiziertem hatte, sollten jedenfalls Kontakt zu einem Arzt aufsuchen, betonte Müller. Wichtig sei jedoch nur unter Voranmeldung zum Hausarzt oder in eine Ambulanz zu gehen, fügte Luckner-Hornischer hinzu. Denn nur so können die Betroffenen sicher zu einem Arzt geleitet werden, ohne Kontakt zu weiteren Personen zu haben und diese möglicherweise zu infizieren.

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Fakten vs. Fake-News

Die nun neuerlich aufgeflammte Diskussion über eine mögliche Impfpflicht bewertete Müller als positiv. Letztendlich sei dies aber eine gesellschaftspolitische Entscheidung. Kritisch sah er die Rolle des Internets und diverser Social Media-Kanäle bei dieser Thematik.

"Das Internet hat uns nicht nur Segen gebracht. Viele informieren sich über Impfungen im Internet. Für Laien ist es aber oft schwierig zu erkennen, ob eine Seite seriös ist oder eben nicht", meinte der Mediziner. Jeder einzelne trage aber eine moralische Verantwortung, fügte Luckner-Hornischer hinzu. Beide Ärzte plädierten jedenfalls dafür, dass sich jeder impfen lassen sollte.

Land startet Impf-Informationskampagne

Die Tiroler Landesregierung will nun mit einer umfassenden Informationskampagne auf Aufklärung setzen: „Wir müssen einer möglichen weiteren Verbreitung der Masernerkrankung entschieden entgegentreten. Daher wird die Landesregierung am kommenden Dienstag eine Impf-Informationskampagne beschließen", erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter am Freitag. Für diese Kampagne werde das Land knapp 100.000 Euro in die Hand nehmen.

Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg spricht sich im Zusammenhang mit dem Thema Impfen für Aufklärung, Prävention und Vorsorge aus. „Der Schlüssel zu einer möglichst umfassenden Durchimpfungsrate ist Information und Aufklärung für die Bevölkerung. Wir wollen auf alle Möglichkeiten des Impfens hinweisen und darüber hinaus auch aufklären, welche Folgen es für einen selbst bzw. für das Umfeld nach sich ziehen kann, wenn man auf einen wirksamen Impfschutz verzichtet."

Bezüglich der Masernfälle in Tirol wurden von den Behörden gemeinsam mit den Krankenanstalten umfassende Vorsorgemaßnahmen getroffen, hieß es. Verdachtsfälle wurden unverzüglich unter Quarantäne ärztlich betreut und alle entsprechenden Überprüfungen und Laboruntersuchungen durchgeführt. Möglicherweise gefährdete Personen, die mit den Verdachtsfällen bzw. erkrankten Personen in Kontakt standen, werden ebenso umgehend informiert, aufgeklärt und allenfalls aus medizinischer Sicht notwendige Maßnahmen gesetzt.

Impfaktion Tirol

Vor Masern geschützt sind Personen, die von Masern bereits betroffen waren oder zweimal mit dem entsprechenden Impfstoff geimpft wurden. Die Impfaktion Tirol ist ein kostenloses Angebot des Landes für Säuglinge, Kinder und Jugendliche in Tirol. Darin sind zwei Impfungen gegen MMR enthalten, die rechtzeitig zu Beginn des zweiten Lebensjahrs verabreicht werden sollten. Speziell die MMR-Impfungen sind im Rahmen der Impfaktion Tirol in jedem Lebensalter kostenlos! „Gerade die Altersgruppe zwischen 25 und 40 Jahre, welche als schlecht durchgeimpft angesehen werden muss, sollte dieses Angebot wahrnehmen", betont Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber.

Nähere Infos unter www.tirol.gv.at/impfungen