Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.02.2019


Tirol

„Für das Trauern gibt es kein Patentrezept“

Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und Rainbows Tirol bieten in einer Kooperation trauernden Kindern und Jugendlichen eine professionelle Begleitung an.

Kinder trauern meist anders als Erwachsene.

© iStockphotoKinder trauern meist anders als Erwachsene.



Von Nikolaus Paumgartten

Hall – Fragen, Sorgen, Ängste, Wut, Ohnmacht, Verzweiflung. Der Tod von Eltern, Geschwistern, Großeltern oder nahen Bezugspersonen ist besonders bei Kindern ein sensibles Thema. „Für das Trauern gibt es kein Patentrezept“, weiß die Vorsitzende der Hospiz-Gemeinschaft Tirol, Elisabeth Zanon. „Trauer hat viele Gesichter, daher ist auch eine individuelle Betreuung so wichtig.“ Aus diesem Grund sind die Hospizgemeinschaft und der Verein Rainbows Tirol eine Kooperation eingegangen, um trauernde Kinder und Jugendliche sowie deren Angehörige bei der Trauerarbeit zu unterstützen. Rainbows begleitet seit über 25 Jahren Kinder und Jugendliche bei Scheidungen und Todesfällen. Im Rahmen der Zusammenarbeit findet nun jeden ersten Mittwoch im Monat in den Räumlichkeiten der Hospizgemeinschaft Tirol in Hall, Milser Straße 23, zwischen 14 und 17 Uhr ein Beratungsnachmittag statt.

„Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie halten es nicht aus, immer traurig zu sein. Sie springen in Trauerpfützen hinein und müssen dann aber immer wieder raus“, erklärt Barbara Baumgartner, Leiterin von Rainbows. So sei es nicht ungewöhnlich, dass Kinder eben noch tief traurig waren und kurz darauf aufspringen, um zu spielen. Dieses Verhalten bestätigt auch Rainbows-Trauerbegleiterin Gertrud Larcher: „Kinder sind nicht in der Lage, lange in diesem Trauerzustand zu verharren. Sie wollen pendeln können, wieder hinaus und etwas anderes tun“, erklärt Larcher. Es könne aber auch vorkommen, dass Kinder zunächst auf den Tod eines nahen Verwandten oder einer wichtigen Bezugsperson äußerlich kaum reagieren, ein halbes oder gar ein Jahr später aber plötzlich auffällig werden. „Kinder sind in der Lage, die Trauer zu vertagen. Oft wollen sie die Familie nicht mit ihrer eigenen Trauer zusätzlich belasten“, sagt Larcher. Hinter manchem „Klassenkasperl“, wütenden oder aggressiven Kind stecke oft ein trauerndes Kind.

Der Beratungsnachmittag wird vorerst einmal monatlich durchgeführt und startet morgen. Bei Bedarf wird das Angebot zeitlich ausgeweitet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weiters wurde eine Konsiliardienst-Vereinbarung zwischen der Hospiz-Gemeinschaft und Rainbows Tirol getroffen, die ein Ausmaß von bis zu drei Stunden der Unterstützung pro Zuweisung abdeckt. Ziel ist es, durch die Beratung und das Coaching vor allem den betroffenen Kindern Halt, Sicherheit, Hoffnung und Zuversicht zu geben und dadurch die ganze Familie in ihrer Trauer zu unterstützen und zu stärken.