Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.02.2019


Bezirk Landeck

Abschied als Schuldirektor: „Breite Bildung bleibt Zukunftsaktie“

Landecks Gym-Direktor Josef Röck hat sich nach 19 Jahren in den Ruhestand verabschiedet – nicht frei von Emotionen. Mit guten Erfolgen bei der Zentralmatura und PISA-Tests sieht er den Weg der Schule bestätigt.

Über das Abschiedsgeschenk seiner Schule – ein Holzrelief von Christoph Waldhart – freut sich Josef Röck sehr.

© WenzelÜber das Abschiedsgeschenk seiner Schule – ein Holzrelief von Christoph Waldhart – freut sich Josef Röck sehr.



Von Helmut Wenzel

Landeck – Seit wenigen Tagen kann er sich entspannt zurücklehnen. Nach 19 Jahren „Direktorjob“ am Land­ecker Gymnasium widmet sich Josef Röck ab sofort ganz seinen Hobbys, etwa der Astronomie und dem Wandern.

Die Erinnerungen an seine aktive Zeit sind taufrisch. Er fasst zusammen: „Es waren spannende Jahre, die mir viel Freude bereitet haben.“ Seine Berufung als Schulleiter habe er als Lebensaufgabe gesehen. Stolz sei er auf die positive Weiterentwicklung am Landecker Gym, die er mitgestalten konnte. Dabei sei stets aktuelle Informationstechnologie zur Anwendung gekommen. Es gab aber auch turbulente Zeiten, etwa als die Gym-Unterstufe im Rahmen der geplanten „Modellregion Landeck“ zur Gesamtschule für 10- bis 14-Jährige umfunktioniert werden sollte.

Wie ist der in Fließ/Hochgallmigg aufgewachsene Röck zum Direktorjob gekommen? „In der Volksschule Hochgallmigg hat es nur eine Klasse für acht Schulstufen gegeben. 50 Kinder sind von einem einzigen Lehrer unterrichtet worden. Für mich war das eine prägende Zeit.“ Er habe eine Art Gesamtschule erlebt. „Der Lehrer hat Abteilungsunterricht innerhalb der Klasse gemacht.“ Als begabter Bub konnte er oft in Gruppen mit älteren Schülern dabei sein. In der 4. Klasse habe der Lehrer seinen Eltern gesagt: „Der kann alles, tut’s den Buben raus.“ Röck kam ins Internat und Gymnasium in Feldkirch. Als er 15 war, starb sein Vater. „Zu Hause habe ich bäuerliche Arbeiten übernehmen müssen, die Hacke schleifen, Huanzen reparieren und vieles mehr. Aus heutiger Sicht ist vieles unvorstellbar.“

Das 1956 eröffnete Gymnasium Landeck hat sich in der Ära Röck mit den Schwerpunkten e-Learning und Bildnerisches Gestalten profiliert.
Das 1956 eröffnete Gymnasium Landeck hat sich in der Ära Röck mit den Schwerpunkten e-Learning und Bildnerisches Gestalten profiliert.
- Wenzel

Der Maturant Röck inskribierte Mathematik und Physik an der Uni Innsbruck. 1980 begann sein erstes Berufsjahr als Mittelschullehrer an einem Innsbrucker Gymnasium. Nebenbei war er als Erzieher und zudem als Informatiklehrer sowie Personalvertreter tätig. „Ich habe mich für junge Kollegen eingesetzt, damit sie schneller zu einem Dienstvertrag und damit zu einer fixen Stelle kommen.“

Der Punkt, an dem er sich verändern sollte, kam mit der Ausschreibung der Direktorenstelle am Gymnasium in Landeck-Perjen. In Telfs hatte Röck inzwischen sein Haus gebaut. „Als Telfer stand ich vor der Wahl: entweder täglich nach Innsbruck oder nach Landeck pendeln.“ Er entschied sich für Landeck, auch weil er sich die Staus an der Stadteinfahrt von Innsbruck ersparen wollte. Fünf weitere Kollegen hatten sich um den Job beworben.

In Landeck habe er auf gute Vorleistungen bei e-Learning aufbauen können. Es gab zumindest drei hervorragende IT-Experten, darunter auch Helmut Hammerl, inzwischen IT-Fachinspektor in der Bildungsdirektion Tirol. „Die Möglichkeit, moderne Medien und Technologien im Unterricht sinnvoll einzusetzen, ist bei uns erkannt und genutzt worden. Heute ist die Schule fit für digitale Herausforderungen.“ Vor diesem Hintergrund könne es kein Zufall sein, „dass die Landecker Gymnasiasten bei der Zentralmatura und PISA-Tests überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben“, resümiert der Jung-Pensionist.

Auch wenn es heute Mitbewerber im regionalen Bildungsangebot wie HAK oder HLW gibt, sei die Schülerzahl zuletzt konstant geblieben. Das Gym zählt aktuell 360 Schüler, 18 Klassen und 50 Lehrer. „Die breite Allgemeinbildung, die das Gymnasium bietet, bleibt die beste Zukunftsaktie für junge Menschen“, ist Röck überzeugt.